Mittwoch, 17. Oktober 2012

Polen, zweiter Tag

Breslau
Eine Stadtführerin fährt im Bus mit und erklärt vieles, was ich sonst nur erraten könnte. Im alten Gefängnis saß schon Rosa Luxemburg, davor ist die Psychiatrie, daneben das Standesamt, gegenüber noch Finanzamt und Feuerwehr. Und so nennen die Breslauer diese Gegend einfach Katastrophen-Ecke. 
Bunker aus den vierziger Jahren, grüne Hügel aus Schutt und eine Straße, die einst eine Landebahn war, zu der Zeit, als Breslau eine Festung sein sollte. Häuser wurden dafür gesprengt, doch genutzt hat es nichts. 
Die Säulen vor der Jahrhunderthalle habe mal ein Dach gedeckt, sagt die Stadtführerin. Dann hätten aber keine Stiefmütterchen darunter wachsen können. 

Wer über siebzig Jahre alt ist, der kann hier kostenlos mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln fahren. Das ist ja gegenüber Görlitz doch ein echtes Alleinstellungsmerkmal. 
Der Zahnstocher vor der Jahrhunderthalle, die übrigens Weltkulturerbe ist, reicht 96 Meter hoch in den Himmel.
Der Dom von Breslau, im April 45 durch Bombe getroffen, davon sieht man glücklicherweise natürlich nichts mehr.
Im Dom steht die Orgel aus der Jahrhunderthalle, die übrigens deswegen so heißt, weil sie an die preußischen Befreiungskriege gegen Napoleon erinnern sollte, einhundert Jahre später. Jeden Sonntag werden sieben Messen gefeiert, da ist die Welt noch in Ordnung. 
Auch Nepomuk steht herum, der sich ja lieber in Prag in die Moldau schubsen ließ, als das Beichtgeheimnis zu verraten. Ganz süß sind die vielen Zwerge, die ich in der Stadt fand. Hier ist einer, der die Gaslaterne anzündet.
   
 Und hier ist noch einer, der sitzt vor dem alten Stadtgefängnis. Wie romantisch, sagte jemand beim Besichtigen des Innenhofes. Aber es kommt wie überall einfach nur auf die Perspektive an. Denn das Tor war ja offen...
Ob Universität

Markthalle
Rathaus
Es ist ganz schön viel Stadt für nur einen Tag. Das könnt ihr mir glauben.