Freitag, 31. Januar 2014

Webmasterfriday - Abzocke im Internet

Ob ich schon einmal im Internet abgezockt wurde? Ehrlich?
Das fragt der Webmasterfriday.  

Glücklicherweise nicht. Einfach deswegen, weil ich nichts kaufe, was ich nicht brauche. Weder Klingelton, noch Clubmitgliedschaft bei Web.de. Dort habe ich zwar mein elektronisches Postfach, aber es nervt einfach nur, wenn statt des Postfachs ein Geburtstagsglückwunsch mit dem kostenlosen Clubzugang auftaucht. Ich will bei denen in keinem Club Mitglied sein, deswegen ist mir glücklicherweise auch entgangen, dass dieser nach einiger Zeit sehr wohl kostenpflichtig ist. 

Auch in der Nicht-Internet-Welt möchte ich keine Kaffeemaschine kaufen und dazu noch eine Kuscheldecke gratis bekommen, die ich nicht brauche. Deswegen fällt es mir leicht, solchen Verlockungen zu widerstehen. Ob Horoskop, Rezept oder Hausaufgabenhilfe: Ich brauche nichts. Deswegen brauche ich auch keinen Dienst, der mir das anbietet. Suche ich ein ganz bestimmtes Rezept, dann finde ich das auch. Damit ein Mensch nicht im Internet abgezockt wird, hilft es, wenn sich dieser sein Haben-Wollen und seiner Gier nach Dingen bewusst ist. Denn genau das wird ausgenutzt, wenn im Internet eine süße Versuchung lockt. Es erinnert mich immer an eine Mausefalle: Vorne klemmt der Speck und wenn die Maus dem Duft nicht widerstehen kann, dann schnappt der Bügel zu. Vor dem Haben-Wollen zu Denken schadet nicht, auch wenn es manchmal weh tut. 

Seit etwas über einem Jahr sind Firmen verpflichtet, einen eindeutigen Knopf auf der Webseite zu haben, auf dem "Kaufen" oder so steht, damit auch jeder verstehen kann, dass es hier nichts umsonst gibt. Leider hat sich das offenbar noch nicht überall herumgesprochen. Die Verbraucherzentralen monieren, dass es immer noch Firmen gibt, die sich nicht daran halten. Wie beispielsweise melango.de, ein Schnäppchenmarkt, der sich eigentlich - das steht in den Vertragsbedingungen - an Unternehmer richtet. Doch auch ganz normale Menschen konnten sich einloggen und auf die Produkte klicken. Danach sollten sie sich registrieren: Name, Adresse und E-Mail-Adresse waren gefragt. Allein dafür sollte eine Grundgebühr von 249 Euro und eine einmalige Aufnahmegebühr von 199 Euro fällig werden. Der Hinweis auf die Kosten war hübsch versteckt und eine Widerrufsbelehrung gab es auch nicht. Das Landgericht Leipzig hielt das für rechtswidrig. Wenn eine Seite nur für Unternehmer und Gewerbetreibende ist, dann muss diese dafür sorgen, dass sich Otto Normalverbraucher dort nicht einfach anmelden kann und dafür abkassiert wird. 

Auch die Werbung für die Clubmitgliedschaft bei Web.de wurde vom Landgericht Koblenz als rechtswidrig eingestuft. Zwei Monate lang sollte der Zugang kostenlos sein. Glücklicherweise brauche ich nichts, was mir als kostenlos hinterhergeworfen wird, schon gar nicht eine Clubmitgliedschaft. Was soll ich damit? Hätte ich hingegen zugestimmt und nicht rechtzeitig gekündigt, dann hätte ich nach den kostenlosen zwei Probemonaten jeden Monat fünf Öcken gelöhnt, mindestens für ein Jahr lang. Weil dieser Hinweis nur im Kleingedruckten versteckt war, hielt das Landgericht Koblenz diese Werbung für unzulässig. 

Fazit:
Diese Firmen nutzen einfach die Gier und das Haben-Wollen der Menschen aus. Würden sich mehr Menschen darüber Gedanken machen, was sie mit dem Zeug eigentlich wollen, dann könnten solche Abzocker keine Kohle verdienen. 



Montag, 27. Januar 2014

Intermezzo --- 12 Years a Slave

Es gibt im Leben immer wieder Dinge, von denen ich bisher noch nichts wusste, von denen ich noch nie gehört habe. Vielleicht habe ich sie auch ignoriert, überlesen, nicht aufgepasst, was auch immer. 
Dass es in Amerika Sklaven gab, in den Südstaaten, die aus Afrika dorthin gebracht wurden, das habe ich gewusst. 1776 wurde die Unabhängigkeitserklärung proklamiert. In den nördlichen Staaten spielte die Sklaverei zu dieser Zeit kaum eine Rolle, deswegen ließ sie sich dort leichter abschaffen, auch wenn das trotzdem langwieriger war, als es sich hier auf die Schnelle anhört. In den Südstaaten dagegen lebten zur gleichen Zeit, zu der es im Norden (fast) keine Sklaven mehr gab, mehr als vier Millionen von ihnen, arbeiteten auf den Plantagen und sorgten für den Reichtum ihrer Herren. 
Weil der Nachschub von Afrika nicht reichte, wurden Schwarze in den nördlichen Staaten Amerikas gefangen und in den südlichen als Sklaven verkauft. Der Film "12 Years a Slave" basiert auf einer wahren, einer autobiografischen Geschichte. 1853 erschien das Buch, in welchem Solomon Northup sein Leben beschreibt: Als ein geachtetes Mitglied der New Yorker Gesellschaft, ein anerkannter Geigenspieler, wacht er plötzlich auf und trägt Ketten. Identität? Wird nicht anerkannt. Schließlich hat er ja keine Papiere dabei. Hier siegt das Recht des Stärkeren und wird mit der Peitsche durchgesetzt. Wie bei Kafkas Verwandlung fällt Northup aus seinem Leben, bekommt einfach einen neuen Namen zugeteilt und wird auf dem Markt verkauft.
Bei jeder Station wird es immer ein wenig schlimmer. Scheint sein Erstbesitzer noch ein wenig human, ist Master Epps die personifizierte Grausamkeit, scheint es. Wer ist hier eigentlich zivilisiert, wer hält sich an Recht und Gesetz und wer hat hier Gott auf seiner Seite?
Denn die Willkür, welcher die Sklaven ausgesetzt sind, hat System und wird im Film genau vorgeführt. Solomon scheint immer der Beobachter zu bleiben, ganz so, wie es diejenigen beschreiben, denen es scheinbar gelingt, in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten zu überleben. Die Beobachtung hilft Northup beim Überleben und bei der Anpassung. Obwohl: Gelegenheiten, an denen er hätte scheitern können, gab es genug. Dann verliert er seine mühsam bewahrte Fassung: Als er beispielsweise die Sklavin Patsey auspeitschen soll. 
Der Film beobachtet ganz genau, wie sich die Menschen benehmen, wenn der Lack der Zivilisation ab ist, wie sie reagieren, wenn die Umstände extrem sind. Ob Sklaven, Sklavenhalter oder deren Frauen. Manche Szenen sind nur schwer auszuhalten, sie sind genau gefilmt und ihre Wirkung ist großartig. 
Solomon Northup hat Glück gehabt. Er konnte zurück in den Norden, er wurde wieder ein freier Mann und konnte über seine Erlebnisse schreiben. Doch er ist eine Ausnahme. Denn bis heute gibt es Sklaven, die nie eine Chance haben, ihrer Ausbeutung und der Willkür ihrer Herren zu entfliehen. Wohin denn auch? 

Samstag, 25. Januar 2014

Eine Ausstellung mit Fotografien in Nürnberg

Wenn einer eine Reise tut, dann hat er nicht nur was zu erzählen, sondern bringt dank der modernen Digitalfotografie viele Bilder mit. Mit diesen Fotos lässt sich für die lieben Nachbarn, die während dieser Zeit die Fische gefüttert und Blumen gegossen haben, ein unvergesslicher Fotoabend mit animierter Power-Point-Präsentation der 2648 Fotos, Knabberzeug und Prosecco gestalten. Das gilt aber so nicht für die Mitglieder des Nordbayerischen Amateurfotoclubs Nürnberg: Hier wählt erst eine Jury aus den eingereichten Urlaubsbildern die schönsten und eindrucksvollsten Bilder aus, anschließend wurden diese auf Fotopapier gedruckt, gerahmt und im Kulturladen Zeltnerschloss aufgehängt. Dort lassen sie sich bestaunen. Mir hätte es gefallen, wenn neben jedem Bild nicht nur der Titel, sondern auch eine kurze Geschichte dazu verraten hätte, warum der jeweilige Fotograf gerade jenen Augenblick so besonders fand, dass er ihn festhalten wollte. 

Dort, wo sich Fotografen treffen und ihre Fotografien zeigen, wird auch wieder fotografiert. Logisch.





Am Freitag, den 25. Januar wurde die Ausstellung eröffnet. Bis zum 6. März können Besucher die Bilder des Nordbayerischen Fotoclubs Nürnberg im Zeltnerschloss in Nürnberg anschauen und sehen, welches Bild sich die Fotografen von ihren Reisen und ihrer Welt gemacht haben: Auf einem Foto war ein kleines Haus aus Stein mitten zwischen zwei große Felsen geklemmt, auf einem anderen strahlte ein kleines Kind den Fotografen glücklich vom Rücken der Mutter an. Bilder aus Nürnberg und Berlin zeigen, dass Fotografen für wunderbare Fotos nicht weit reisen, sondern sich einen Blick für das Besondere bewahren und ihn immer wieder schärfen. 

Eine Frau fotografierte auf Zuruf derer, die sie fotografieren wollte. Sie ist blind, bannt trotzdem Momentaufnahmen auf den Speicherchip ihrer Kamera.  



Weitere Informationen über den Fotoclub, wie beispielsweise die wöchentlichen Treffen oder Ausflüge zum Fotografieren sind auf seiner Webseite zu finden. 

Sonntag, 19. Januar 2014

Ein Weg im Paradies(-tal)

Seit die Menschen aus dem Paradies vertrieben wurden, vor ewigen Zeiten, gibt es diese Sehnsucht, dorthin zurückzukehren. Es ist eine Sehnsucht nach einer ursprünglichen Natur, nach einer Schönheit, nach dem verlorenen Paradies eben. Kultur ist dagegen Verwandlung der Natur, Veredelung und Bändigung durch Zivilisation und künstlerische Gestaltung, durch Form und Norm. 

Nicht weit von Bamberg entfernt ist das Paradiestal. Hier kann ich im Himmel zur Probe wohnen, oder wenigstens probelaufen. Auf dem Weg kurz vor Treunitz ist rechts der Parkplatz, doch bis zum Eingang ins Paradies muss ich auf der Straße gehen. Dort ist es eng: Zwischen Fels und Straße ist nur ein fußbreiter Randstreifen. Hoffentlich kommt jetzt kein Auto schnell ums Eck, ich habe wenig Lust, als Kühlerfigur zu enden. Alles geht gut - und das Tor zum Paradies steht offen.

Felsen stehen rechts und links im dichten Wald, manche sind durchlöchert, als würden Bienen in ihnen wohnen. Einen richtigen Weg gibt es nicht im breiten Tal, alles ist breiter Weg, jetzt im Januar, eine breite Wiesenautobahn für Fußgänger, nur gefurcht von einigen Treckerspuren. 


Von weitem leuchtet etwas blau und orange, es sieht aus, als grüßten in ordentlichen Abständen Blüten auf grünem Laub. Doch als ich näherkomme, sehe ich: Ich habe mich geirrt. Kleine Tännchen stehen in Reih und Glied ordentlich am Waldrand und auf ihnen stecken blaue und orangefarbene Klammern. So können die Rehe nicht die Spitzen der Bäumchen als Leckerbissen abknabbern. Wenn die künftigen Weihnachtsbäume ohne Spitze sind, dann lässt sich auch keine Weihnachtsbaumspitze aufstecken. Und was ist ein Weihnachtsbaum ohne Spitze? Eben. Dort, wo die Rehe schneller waren, gibt es keine solche Tannenspitze mehr, sondern nur noch einen kleiner Quirl. 


Ein Stückchen weiter guckt ein Felsen wie ein versteinerter Löwenkopf über das Tal. Hier haben eine ganze Menge Felsen richtige Namen bekommen, dieser heißt offiziell "Silberwand". In einer kleinen Felsnische liegt eine gelbe, verschlossene Plastiktüte. Ich will gar nicht wissen, was wohl darin sein könnte. Die schmale Felskammer nebenan wurde jedenfalls schmählich als Klo missbraucht. Mir ist schon klar, dass, wenn Menschen stundenlang an einem Ort sind, an einem Felsen klettern, dann müssen sie auch mal. Das ist so und das ist menschlich. Trotzdem ist diese kleine Felskammer als Klo nicht schön. (Zugegeben: ein blaues Dixie-Klo wäre noch viel häßlicher). An diesem Felsen sind - wie an einigen anderen auch - Haken für Kletterer dran. Und eine Plakette mit der Rufnummer für die Bergwacht, falls jemand runterpurzelt und Hilfe braucht. 

Das Blaue Meer ist nur eine Pfütze mit Schlamm unter einem Felsüberhang. Das ist auch kein Wunder, selbst im Paradies nicht. Denn das Paradiestal ist ein Trockental: Nur nach starken Regenfällen oder nach der Schneeschmelze ist Wasser drin, dann auch gerne so viel, dass es kaum begehbar oder ganz überschwemmt ist. In der übrigen Zeit ist es trocken und nur ein kleines Rinnsal schlängelt sich durch das Tal, welches ungefähr sechs Kilometer lang ist.


Als das Tal links abbiegt, liegt rechts unter einem Felsen ein Keller: Hier wurde einst Eis und Bier gelagert. Zwar ist der Keller offensichtlich saniert, doch ein festes Gitter versperrt den Zugang und zu essen oder trinken gibt es nichts, auch im Sommer nicht. Wer also im Paradies Hunger und Durst bekommt, muss für sich selber sorgen und alles im Rucksack tragen. Auf der anderen Talseite steht der Predigtstuhl. 
Kurz vor dem Ende wird das Paradies noch einmal wildromantisch und an einem Felsen, dem Langenstein, klettert selbst im milden Januar jemand herum. 



Wie im wirklichen Leben auch, liegt gleich neben dem Paradies die Hölle: Diese heißt auf der linken Seite des Weges Bundesautobahn A70 und führt von Bamberg nach Bayreuth. Weil es Samstag ist, ist verhältnismäßig wenig los, aber es ist trotzdem laut. Auf der rechten Seite ist eine endlos scheinende Photovoltaik-Anlage hinter einem Stacheldrahtzaun eingesperrt und von Kameras bewacht. So kriegen die Paneelen keine Beine, hofft der Betreiber. Zwischen zwei dieser Anlagen führt der Rundweg mit dem blauen Kreis schlussendlich hindurch und auch weg von der Autobahn. Hier mussten die Vögel ganz schön laut zwitschern und den Straßenlärm übertönen. Werden die dabei nicht schwerhörig?


Ein Schild erklärt den Weg: Jetzt soll es nach rechts gehen. Von dort, wo der Pfeil nach unten zeigt, kam der Weg hier auf die Höhe. Also rechts. Doch das Schild führt in die Irre. 


Weil an der nächsten Weggabelung kein Schild klebt, geht es lieber zurück als in die Irre und siehe da: Hinter dem neu gestalteten Schild ist der blaue Kreis noch da und zeigt, dass der Weg geradeaus weiter geht. 


Die Obstbäume haben sich mit Moos zugedeckt, obwohl es in diesem Jahr noch gar nicht richtig kalt war. Es geht hinein in den Wald, der hier ein richtig schöner Märchenwald ist: Ein dunkler Moosteppich ist unter den Tannen ausgebreitet und von den Zweigen hängen lange Moosbärte. Fehlt nur noch, dass Rotkäppchen vorbei hüpft und dem Wolf begegnet. Der Wald ist so dicht, dass die Sonnenstrahlen nur am Waldrand auf den Boden reichen. Dort stehen vier Stühle, passend zum Ruhen und es kommen andere Wanderer des Wegs, zwar nicht mit Wolf, dafür aber mit Hund. 
Ein kurzer steiler Weg führt hinunter nach Treunitz, welches sich auf einem Schild selbst als Pfifferdorf bezeichnet. Vor einem Haus stehen zwei umgedrehte Blechschüsseln rot bemalt und weiß bepunktet auf Holzstangen: Pfiffer ist fränkisch und heißt "Pilz". 

Der Weg führt ein kurzes Stück wieder direkt an der Straße entlang, links fließt klar die Wiesent, deren Quelle nicht weit von hier ist, rechts sind Felsen. Glücklicherweise biegt bald ein Feldweg ab, führt über das Flüsschen, welches ab dann rechts vom Weg liegt, und dafür sind links die Felsen, auch wieder zum Klettern. Nur noch ein kurzes Stück - und der Parkplatz ist erreicht. Schön war es im Paradies. Und weil es nicht so weit weg ist, kann ich hier ja öfter hin. 


Freitag, 17. Januar 2014

Intermezzo--- Der Medicus

An der Kinokasse war ich zunächst irritiert, denn es wirkte, als hätten sämtliche Altenheime gleichzeitig Ausgang und besuchten zur Feier des Tages einen Film. Die wollen doch nicht etwa? Doch, sie wollten. Sie wollten alle zum Arzt und standen deswegen Schlange vor der Kinokasse, weil auf dem Plakat der Medicus lockte. Schon klar. 
Ist der Medicus von Noah Gordon Sehnsuchtsliteratur für Rentner? Damit hatte ich nicht gerechnet, auch nicht damit, dass der Kinosaal voll wurde. Ziemlich voll. Das wäre an und für sich eine erfreuliche Tatsache: Endlich mal ein wirklich begehrter Film. Warum musste dann aber jeder, der an der Kasse endlich an der Reihe war, die Wahl des richtigen Sitzes endlos diskutieren? 
Während des geduldigen In-der-Schlange-stehens blieb genug Zeit, um Max, meinen inneren Schweinehund, sehr energisch darauf hinzuweisen, dass ich in dreißig Jahren nicht so umständekrämerisch, kompliziert, langatmig und stundenlang mit der Kartenverkäuferin an der Kinokasse diskutieren möchte, welcher Sitz bei Bandscheibenvorfall, Arthrose und Grauem Star der optimale und einzig mögliche Sitz im Kino sei, bis alle hinter mir Wartenden vor lauter Erschöpfung zusammenbrechen. Ich bin allerdings optimistisch, weil ich Entscheidungen bisher immer fix treffe - und so hoffe ich darauf, dass ich später nicht wegen eines Sitzplatzes im Kino eine Grundsatzdebatte beginne, die gefühlt ebenso lange dauert, wie der Film.
Nach dem Film zeigte mir ein kritischer Blick auf den Abspann: Der Medicus wurde nicht von der Apotheken-Umschau gesponsert. Denn hier geht es um die Reise eines jungen Mannes und dessen Sehnsucht nach Wissen. Doch wenn ein dickes Buch in einem einzigen Film gezeigt werden soll, dann geht es nicht ohne Vereinfachung ab. Das ist beim Medicus der Fall. Leider. Denn auf diese Weise geht viel von der Atmosphäre und der Ambivalenz der Figuren verloren. Ob in der Liebesgeschichte zwischen Rob und Rebecca - die es im Buch nicht gab - oder in der Darstellung des schönen Karim, der an der Pest stirbt: Alles das, was im Buch spannend und interessant war, wurde holzschnittartig dargestellt. Im Film sind die Christen schmutzige, aber gute Menschen. Juden sind sauber und loyal zu dem, von dem sie Geld bekommen. Muslime sind entweder genußsüchtig (Karim), grausam (der Schah) oder intrigant (der Mullah). Gerade der Konflikt zwischen den fundamentalistischen und den aufgeklärten Muslimen wurde so karikiert dargestellt, als wäre das Drehbuch von Monty Python.Fehlte nur noch, dass sich die Schurken die Bartspitzen zwirbeln, während sie ihre Missetaten planen. Die Reise von England nach Isfahan, für die im Buch mehrere Jahre vergingen, wurde im Film kurz und knackig mit einem Sandsturm abgehandelt. Auch die Beleuchtung ließ zu wünschen übrig. Warum musste alles so funzelig beleuchtet sein? Und den Chefarzt möchte ich heutzutage sehen, der den jungen Assistenten mit einer großartigen und noch nie ausprobierten Methode die lebensrettende Operation am Staatsoberhaupt durchführen lässt. 
Genug gemeckert. 
War eine nette Unterhaltung, aber einmal gucken reicht völlig aus. 
Hinterher habe ich mich tatsächlich noch ein bisschen schlau gemacht: 1987, also vor mehr als 25 Jahren, kam die erste deutsche Ausgabe des Medicus auf den Markt (Willy Thaler hat das Buch übersetzt), insgesamt wurden davon mehr als sechs Millionen Bücher verkauft. Noah Gordon ist inzwischen 87 Jahre alt und lebt in einer Wohngemeinschaft für Senioren. Ob die Kinogänger von heute damals alle das Buch verschlungen und von der weiten Welt geträumt haben, während sie darauf warteten, dass der Mann von der Arbeit und das Kind aus der Schule ins propere Eigenheim kamen?

Montag, 13. Januar 2014

Schweinfurt. Matinee mit Nora Gomringer.

Nur durch einen Zufall wurde ich auf Nora Gomringer aufmerksam. Hat einer der Ironblogger Frankens darüber berichtet? Ich weiß es nicht mehr. Ich fand das, was sie machte, interessant. Anfang Januar informierte sie jedenfalls darüber, dass sie in Schweinfurt lesen würde, im Museum Georg Schäfer. Das wollte ich ohnehin besuchen, seit ich im Sommer die Ausstellung Main und Meer in Schweinfurt sah und an diesem Museum vorbeifuhr. Nur war damals eben keine Zeit dafür. 
Aber jetzt.
Sonntagmorgen, klar, zur Matinee, das ist früh am Morgen, da steht ohnehin noch niemand auf. Außerdem fiel ich auf einen meiner Lieblingsirrtümer herein: Immer, wenn ich etwas gerade neu entdecke, dann denke ich, das gibt es erst ab jetzt. Ich nehme schlicht und einfach nicht zur Kenntnis, dass etwas existieren könnte, bevor ich selber davon weiß. Deswegen war ich schlicht erstaunt, wie viele Menschen bereits in dieser Stadt am gefühlten Rand des Universums bereits unterwegs waren. Und die wollten alle - richtig - zur Lesung. Ups. 
Ich hatte keine Karten reserviert, so was ist doch nicht nötig, wenn ich etwas gerade neu...
Ich stand in der Schlange. Und wartete.
Die beiden Menschen, die an der Kasse bedienten, nahmen sich genügend Zeit für alle vor mir. Schien es. 
"Hat noch jemand eine Karte reserviert?" rief einer der Mitarbeiter laut zu der Reihe der noch Wartenden.
Ein Drucker ratterte und druckte weitere Eintrittskarten.
"Hier ist noch ein Platz", weist mich ein netter Herr auf einen noch freien Stuhl mitten in der vorletzten Reihe hin. Sehr schön, so habe ich wenigstens einen Blick auf die Bühne, auf der Nora Gomringer sitzt und liest. Nein, liest ist der falsche Ausdruck dafür, doch dazu später. 
Die Seitenwände des Raumes sind geöffnet, so können die poetischen Worte sich zwischen den tiefen Holzpaneelen bis in den angrenzenden Raum robben. Auch dort sitzen Menschen, wollen hören und lauschen, nur die Bühne ist von dort aus nicht zu sehen. Aber ist das bei einer Lesung nicht egal? Es zählen doch die Töne, es wird vorgelesen, und der Schall schleicht sich um Ecken und Kanten, Hauptsache, es ist keine Tür dazwischen. 
Doch wer nicht sehen kann, verpasst bei Nora Gomringer etwas ganz Entscheidendes: Hier verhilft die Gestik und die Mimik den Worten zu einer Bedeutung, die über diese selbst hinausweist. Oder vielmehr: Diese eindeutig macht. So ausdrucksvoll, wie sie gedacht sind, werden sie gelesen. Rhythmus, Geschwindig- oder Langsamkeit - das, was die Worte an und für sich bereits benennen, bekommt durch das auch-so-gelesen-werden noch eine extra Portion an Klarheit. 
Es war ein Schauspiel, ein Spiel zum Schauen und Hören, und war Lyrik bisher etwas, was ich unter verquaster und verdrehter Gedankensprünge meist toter Dichter subsummierte, hat mich diese Matinee davon überzeugt, dass es jenseits von Grass und Goethe auch Lyrik gibt, die lebendig ist. Und vergnüglich. 
Danke dafür. 


Freitag, 10. Januar 2014

Intermezzo - WMF: Andere schreiben lassen?

Es ist Webmaster-Friday. Die korrekte Antwort auf die Frage lautet: Nein. Nein, ich lasse niemanden in meinem Blog schreiben. Damit ich allerdings selber regelmäßig schreibe, habe ich mich bei den Ironbloggern Franken angemeldet. Hier muss - bei Strafe von 5 Euro - jede Woche ein Blogpost verfasst werden. Das hat bisher immer funktioniert, selbst dann, wenn ich unterwegs war. Für ein kurzes: "Bin gerade auf Achse" - Statement reicht es immer. 

Dafür schreibe ich aber regelmäßig Beiträge für andere Blogs. Das sind allerdings weniger persönliche Blogs, in denen jemand über seine Befindlichkeiten, Vorlieben und die gelesenen Bücher schreibt, sondern thematische Blogs: Ich schreibe also über Ernährung, Handys, alternative Energien, Webfonts, Kinder, SEO-Themen, Kunst, Hausbau, Holzverarbeitung, Fotografie... , also über (fast) alles. Eine Firma betreibt ihre Webseiten, integriert darin einen Blog - und ich schreibe die Beiträge dafür. Zwar steht mein Name nicht darunter, aber das ist nicht so wichtig. Ich habe oft genug Beiträge für Zeitungen geschrieben, unter denen mein Name stand, das reicht mir völlig aus. 

Alles fing mit einer Mail an: "Mir gefällt, wie Du schreibst", schrieb jemand und fragte dabei nach, ob ich Lust hätte, für seine Firma ebenfalls einen Blog zu schreiben. Wir haben telefoniert und gemailt, die Themen festgelegt - und seitdem läuft das. Da hat sich das Seminar in Wolfenbüttel "Das Mausprinzip" mit Christoph Biemann (das ist der mit dem grünen Pullover in der Sendung mit der Maus) richtig gelohnt. 

Mittwoch, 8. Januar 2014

Das Jesuskind in Banz



segnendes Jesuskind
Wie mit Engelsaugen schauen die kleinen Kinder tief in die Seele der Besucher in der Banzer Kirche. Leise Musik rieselt und sie scheinen wie Wesen von einer anderen Welt. Und suchen doch hier auf Erden unseren Schutz, unsere Liebe und unsere Hilfe. Das Gleiche, was für menschliche Babys gilt, ist auch bei den - ja, was? - Puppen? Figuren? Darstellungen? Jeder kennt das Kind, welches an Weihnachten in der Krippe liegt und von Ochs, Esel und Schaf beäugt wird. Franz von Assisi feierte mit seinen Brüdern bereits 1223 Weihnachten im Wald von Greccio, mit Krippe, Esel und Ochsen. In der Klosterkirche von Banz sind jedes Jahr zwischen Weihnachten und Epiphanie viele Jesuskinder ausgestellt. Deren Blicke ziehen an, als wüssten sie von Dingen, die sich weit vor unserer Zeit ereignen, die tief in uns verborgen sind, so tief, dass wir selbst um sie kaum wissen. Sie blicken so sanft und liebevoll, als sehnten sie sich danach, dass wir sie umarmen und streicheln, gleichzeitig aber auch so ernst und würdevoll, als seien sie älter, als die Welt besteht. 

Jesuskind im Binsenkörbchen
Gut, älter als die Besucher in der Kirche sind die Figuren allemal. Manche sind Nachbildungen anderer berühmter Jesuskindfiguren, manche stehen nackt, andere haben kostbare Kleidung an. Manche liegen nackt in der Krippe und manche sind "gefatscht", so wurde damals dieses feste Wickeln des Säuglings genannt. Die Tradition ist alt, denn bereits Bernhard von Clairvaux, der vor fast 1000 Jahren lebte, berichtet bereits vom Kind, das ihm "schöner in Gestalt als alle Menschenkinder" schien. Sie wurden als liegendes Kind in der Krippe oder als Standfigur verehrt, schmückten den Altar und sind niedlich dargestellte Kinder, die noch nicht ganz zwei Jahre alt sind. 

Mit der rechten Hand segnen sie ihre Betrachter, manche halten in der linken noch eine Weintraube, eine Weltkugel oder einen Reichsapfel: Zeichen der Passion und der Herrschaft. Das Prager Jesulein ist eines der berühmten Bilder, oft kopiert und viel verehrt. Herrscher schenkten diesem Kind reiche Roben, manche sogar selbst genäht. Die ganzen Figuren der Ausstellung in der Banzer Kirche wurden vom Pfarrer Hans-Werner Alt gesammelt, der zur Primiz das erste historische Jesukind geschenkt bekam, wie es auf einem Blatt zu lesen ist. 

In den Klöstern bestand einst der Brauch, dass die Novizinnen ein kleines Jesukind bekamen, "Bräutigam" oder "Trösterlein" genannt. Am Gardasee gibt es ein Museum, ganz allein für diese Jesuskinder. Aber auch die Sammlung des Pfarrers in Banz ist beeindruckend. Dafür muss man allerdings zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, dem 6. Januar, sich auf den Weg machen, ganz wie die drei heiligen Könige, und das Kind in der Krippe oder auf dem Altar besuchen. 


Freitag, 3. Januar 2014

Webmaster-Friday--- Geschenke, die man nicht braucht.

Sehr schöne Idee. Wenn ich bedenke, wie viel Ressourcen diese unerwünschten Geschenke verschlingen, dann ist es doch besser, nichts zu schenken. Oder? Wer hat eigentlich mehr vom Geschenk? Der Schenkende oder der Beschenkte?

Im Gegensatz zum Papst ist das Christkind, respektive der Weihnachtsmann nicht unfehlbar. Leider. Und so landen immer mal wieder Geschenke bei mir, bei denen mir das Bedanken schwer fällt. In diesem Jahr war vereinbart, dass nichts geschenkt wird, weil ich im Kloster bin - und so war es dann auch. Glücklicherweise. Aber es gab in meinem Leben bereits einiges an unerwünschten Geschenken:

Ein Telefon in Monsterform: Der Schenkende fand es wahrscheinlich cool und witzig, ich dagegen nur nervig und geschmacklos. 

Eine grüne Kaffeemaschine: War überhaupt nicht meine Farbe und damals hatte ich bereits eine Kaffeemaschine. Also blieb das Geschenk einfach eingepackt und jemand anders hat sich dann sehr darüber gefreut. 

Frauen-Romane: Ja, ich bin eine Frau. Aber deswegen mag ich solche Bücher nicht lesen, auch dann nicht, wenn ich ansonsten viel und gerne lese. Ich liege nicht ständig mit 40 Grad Fieber und knapp vor dem Hirntod auf dem Sofa. 

In den meisten Fällen bedanke ich mich einfach, und packe den Kram in eine Kiste. Ich sage es nur den Menschen, denen ich wirklich nahe stehe, wenn mir ihr Geschenk nicht gefällt und ich es wie einen Wanderpokal weiter reichen werde. Denn mit diesen Menschen kann ich (meistens) reden. Außerdem lande ich ausgesprochen gerne in bereitwillig dafür aufgestellten Fettnäpfen. Und andere Menschen freuen sich oft genau über diese Dinge, die ich nicht mag, schließlich hat ja nicht jeder den gleichen Geschmack, wie ich. 

Eine Tauschbörse habe ich dagegen noch nie gebraucht. 

Donnerstag, 2. Januar 2014

Intermezzo--- Liebes Neues Jahr,

wie ich an anderer Stelle bereits erwähnte, möchte ich in diesem Jahr selbst eine Blogparade starten. Außerdem schicke ich Max, meinen inneren Schweinehund in die Hundeschule: Dort soll er lernen, sich ein bisschen mehr zu bewegen, statt immer nur faul vor dem Kamin herumzulungern. Außerdem möchte ich, dass der Max mal rechtzeitig anfängt, Dinge zu erledigen, statt immer wie ein Deadline-Junkie alles vor sich herzuschieben und erst auf den letzten Drücker zu machen. Und zum dritten wäre es schön, wenn der Max seinen Ehrentitel "Streuobstwiese" abgeben könnte. Zwar stünde er dann nicht mehr unter dem Schutz des BUND, aber der Max kommt wirklich alleine klar.
Im kommenden Semester werde ich einige Kurse an der VHS Forchheim halten, darauf freue ich mich schon sehr.  
Außerdem habe ich auch sonst so einiges vor, aber das wird schon noch im Laufe des Jahres. Als nächstes freue ich mich jedenfalls schon riesig auf meinen ersten Urlaub in diesem Jahr: Es geht in die Türkei. 


Noch ein kurzer Rückblick:
Vor fünf Monaten bin ich nach Franken gezogen und habe es bis heute überhaupt nicht bereut. Ich habe inzwischen schon eine ganze Menge netter Leute kennen gelernt, dank Book-Crosser, IronBlogger und Mitglieder von Slow Food. Und so wird es sicherlich auch gut weitergehen. Im Moment könnte ich einige Regentage noch gut damit verbringen, Erlebnisse aus Franken endlich hier im Blog zu veröffentlichen, bevor ich mich wieder auf neue Abenteuer begebe. Auch das kommt noch. 

Dann hatte ich ein Erlebnis, von dem ich dachte, sowas kommt nur in drittklassigen Büchern vor, oder so. Aber dafür weiß ich jetzt, wo ich umsonst duschen kann.