Dienstag, 14. August 2012

der Dax und die Wirtschaft

Familie Dax trauert
… und die Weltwirtschaft schlägt Purzelbaum.
„Ich habe es schon immer gewusst“, brummelte Großvater Dax: „das konnte nicht gut gehen!“ Er saß behäbig vor dem weit verzweigten Bau. Nichts war es wohl in diesem Jahr mit dem Winterschlaf. Denn alle Vorräte waren futsch.
Der alte Dax würde selbst  die leeren Speicher wieder füllen müssen, damit die Familie über den Winter kam. Dabei schmerzten ihm die Glieder und er wollte sich von der jüngsten Däxin wärmen lassen. Aber ohne Vorräte nutzte die beste Wärme und die dick angefressene Speckschwarte nichts.
Die jungen Daxe waren sie übermütig durch den Sommer getollt. Sie wussten alles besser, schlugen die Ratschläge des alten Dax in den Wind und verjuxten fröhlich den bereits gesammelten Wintervorrat. Sie wetteten mit den Eichhörnchen, dass diese den Vorrat finden würden (die Eichhörnchen fanden aber wie immer nichts), verschacherten ihn gleichzeitig an die Feldhamster – von denen sie dafür ein paar Sonnenstrahlen im Winter bekommen sollten, mit denen sie die Maulereien des alten Dax besänftigen wollten. Und über die Warnungen des alten Daxes vor dem schwarzen Todesstreifen lachten sie nur: „Dahinter ist bestimmt das Land, in dem es immer zu fressen gibt – nur die Alten gönnen es uns nicht. Für die sollen wir mühselig alle Vorräte einzeln zusammentragen: Wie öde!“
Der alte Dax hatte den Jungen erzählt, dass noch nie ein Dax wiedergekehrt sei, wenn er diesen schwarzen Streifen überquert hätte. Die meisten der Besserwisser hatten ihn lediglich erreicht, lagen tot am Rand und wurden von den Krähen zerfetzt.
Die jungen Daxe lachten nur, stachelten sich an und prahlten, was sie für Schätze in den Bau bringen und damit den alten Dax Lügen strafen würden. Denn selbstverständlich war der alte Dax nur ein Feigling, der sich nicht wagte, in dieses gelobte Land zu ziehen, in dem Nüsse und andere Leckereien einfach immer von den Bäumen fielen.
Doch nun --- als die jungen Daxe ausblieben, machte sich der alte Dax langsam auf die Wanderung. Er schubberte mit seinem dicken Bauch über den Boden wie ein alter Scheuerlappen. Er lief und lief, bis zu dem schwarzen Streifen kam. Und hier lagen sie, wie sie immer gelaufen waren: vorneweg die wilden Daxe, dahinter die ängstlicheren. An den Nasen klebte Blut und die Krähen hatten schon ordentlich gepickt. Der alte Dax schnuffelte an jedem der Jungen, doch sie waren kalt und steif.
Nun musste er die Wirtschaft wieder auf seine großväterliche Weise retten – denn der nächste Winter kam. Und solange keine Vorräte im Bau waren, konnte er sich nicht zur Winterruhe setzen. Sonst würde er einfach verhungern.

Dienstag, 7. August 2012

Seele baumeln lassen

Da soll man im Urlaub die Seele baumeln lassen, empfehlen jedenfalls die Ratgeber, Urlaubsverkäufer und Entspannungs-Experten.

Was aber ist, wenn man endlich im wohlverdienten, schwer erkauften, teuer bezahlten Urlaub angekommen ist und stellt dann fest: Da ist nix, da ist nichts da, so innendrin, da wo man die Seele wähnte, was man mal heraushängen und auf der Lehne des Liegestuhls oder wo auch immer drapieren könnte. 

Innendrin ist längst alles hohl und leer, die Seele eingetauscht, verkauft, gegen was auch immer. 

Und dann?

Dann geht mitnichten das große Jammern los, denn wo nichts ist und nie etwas war, kann auch nichts fehlen, dann macht man einfach weiter, wie gewohnt, kauft Erlebnisse und Abenteuer oder das, was man dafür hält. 

Kann man etwas vermissen, was man nie gehabt hat? Wenn man so jemandem von einer Seele erzählt, glaubt der doch glatt, die könne man kaufen, wenn man jemandem von Berührungen erzählt, dann glaubt der womöglich, wenn man sich so auf die Schulter klopft, so ganz kumpelhaft, das reiche schon. Und das sei eben die Realität, alles, was zu haben sei. 

Ich will aber mehr.