Samstag, 18. Dezember 2010

Samstag, 27. November 2010

Spiralige Wege

Ringelschwanz, Ringelwurst, Ringelreihen.
Mit einem Punkt in der Mitte fängt es an und wenn du was geworden bist, dann stellst du fest, dass du das Wichtigste vergessen hast.
So. Das wars, was ich heute sagen wollte.
Aber was ist wichtig im Leben?
Dinge sind es nicht.

Manchmal begleiten sie mich für eine Weile und verlassen mich wieder, wie gestrickte Strümpfe: angefangen, weiter genadelt, voller Vorfreude auf die warmen Füße kommt ein Kind des Wegs und sagt: "Och, Mama." Und zieht mit buntbestrumpften Haxen von dannen.

Panta Rhei. Du kannst nicht zweimal im selben Fluß baden, die Spirale dreht sich weiter, wie die Augen des Beschwörers, - nur Asterix und Obelix kommen unversehrt und gelangweilt aus der Höhle, Prüfung bestanden.

Prüfung, Hürde, Test: Was wird getestet und für gut befunden, oder für schlecht? Wenn wir schlecht schmecken, dann geht es ab in den Kompost, wie vergessener Kuchen, der sich mit samtig-flauschiggrauem Schimmel gegen die Speisekammerkälte wappnet.

Wappenzeichen, mit Zeichen wappnen, Zeichen vor der Brust, auf die Brust heften. Au, das sticht, wenn blanke Haut von der Nadel geritzt wird, dann wappnet der Anti-Atom-Kraft-Anstecker nach außen und piekt nach innen.

In Asse, um Asse herum leben die Krebse, wachsen und vermehren sich, bringen langsam ihre Träger, ihre Wirte unter die Erde. Doch dort kann der Krebs nicht weiter wachsen, ist Nahrung nur für Erdbeeren und Efeu. Aus dem Erd-Endlager kommt der Krebs selbst im Rückwärtsgang nicht mehr heraus.

Mittwoch, 24. November 2010

Eine Wunscherfüllungsgeschichte

Eine Erfüllungs-Geschichte...(für Ute)

Du willst unter einem Riesen-Mammutbaum verweilen:

Wenn du zum Essen pünktlich wieder da bis, sag ich dir, wo er steht. Oder weißt du was, das ist noch viel besser: Du packst dir einfach zwei zusammengeklappte Leberwurstbrote, einen Apfel und eine Thermoskanne Tee in deinen Rucksack. Dann kannst du solange bleiben, wie du willst.

Heute ist es ja warm, wenn du trotzdem eine Decke willst, nimm sie auch mit - und ein Kissen. So liegst du gut und weich und kannst dich zudecken und einrollen, wenn du müde wirst.

Trotzdem ist es besser, wenn du vor der Dunkelheit wieder nach Hause kommst, wer weiß, wer sonst so in der Finsternis durch den Wald strolcht.

Du gehst einfach zum Schwanenteich und an der Popperöder Quelle vorbei. Der Weg führt immer weiter - heute ist dahinten neu gebaut, jedenfalls kommst du bis zum weißen Haus in den Stadtwald. Von dort ist es nicht mehr weit. Du kannst ein Stück den ganz breiten Weg gehen. Dort fuhr früher einmal die Straßenbahn bis in die Munitionsfabrik, die im Stadtwald versteckt und getarnt lag und die dann so gründlich gesprengt worden ist, dass nur noch kleine Pfeiler und Fundamentreste im Wald darauf weisen, dass hier mal mehr als Walderdbeeren und Buchen war.

Wenn ein Weg nach rechts abzweigt, dann bleib noch auf dem Hauptweg. Später wird dieser schmaler und schwenkt nach rechts. Bei der Schutzhütte kannst du dich ausruhen. Oder ab jetzt links und wirklich querwaldein laufen.

Bis zu den drei Mammutbäumen, die vor fast zweihundert Jahren ein Förster pflanzte. Dort kannst du bleiben, von mir aus den ganzen Tag lang. Das Taschentelefon lass hier, dort ist kein Empfang. Du hast also deine Ruhe, das wolltest du doch, oder?

Du kannst dich auf die Decke legen und mit der Wange an den Stamm geschmiegt sehen die Bäume unendlich hoch aus. Die Rinde ist ganz weich, da kratzt nichts.

Und wenn du zum Abendbrot wieder da bist, dann gibt es Pfannekuchen mit Apfelmus. Die magst du doch. Und lass dich nicht mitnehmen. Manchmal sind ja böse Menschen unterwegs.

Samstag, 13. November 2010

Novembergedanken


dunkelblau
Unsterblichkeit im
Netz ist alles
erlaubt mit Besuch ohne
Antwort

Ich will ein Buch aufs Grab, sagte Königstochter jüngste. Und im Dezember sterben, weil ich da auch Geburtstag habe.

Ich will kein Buch aufs Grab. Bis dahin habe ich alle Bücher gelesen, das reicht dann.
Eine Schildkröte möchte ich - und auf dieser einen Salamander.
Die Schildkröte frißt im Sommer den Huflattich vom Grab, den Löwenzahn und das Gras. So bleibt Platz für Akelei und Vergiss-mein-nicht. Auf dem Schildkrötrücken sonnt der Salamander reglos, lässt sich tragen und wiegen.
Bis jemand kommt und die Ruhe stört:
Dann ist er weg, blitzschnell mit der getankten Sonnenenergie, wie ein gelbschwarzer Blitz im Steinhaufen am Grabrand verschwunden.
Die Schildkröte zieht sich zurück in den Panzer.
Nichts ahnend vom Leben um ihn und vor ihm und unter ihm bleibt der Besucher auf dem friedlichen Hof. Nur der Streicher vom Land weiß nicht genau: Ist der Geist aus der Flasche jetzt echt? Wenn er den Stein vor sich wähnt, der langsam faltige Beine bekommt...

Freitag, 1. Oktober 2010

Herbst mit Tücken

Wenn der Apfel süß ist, bin ich nicht die Erste. Dann sitzt der Wurm schon drin und ich muss teilen: Ein Apfelstück für mich und eines für das Würmchen. Die glatten Äpfel, die ohne Bewohner, sind giftig, holzig, grasig, ungenießbar. Deswegen ließ sie der Wurm in Ruhe. Schönheit und Genießen gibt es nur, wenn ich mir das aussuche, was jemand Schlaueres schon entdeckt hat - und dann muss ich teilen.
Teilen.
Immer wenn was schön und gut ist, sitzt schon der Wurm drin - oder die Maus. Immer dann war jemand schneller. Und ist etwas unversehrt, bin ich skeptisch: Wieso wollte das noch niemand?

Unversehrt sind die Früchte aus Alabaster: schön und ungenießbar.
Schneewittchen futterte den unversehrten, schönen Apfel ohne Wurm. Und, was hat sie davon gehabt?
Selbst die beiden Kater haben Würmer, die sich gut sichtbar im Katzenklo ringeln. Demnach müssten Peter und Paul gut schmecken, wenn ich sie ausziehe, nackig mache - und im Bräter mit Zwiebeln und Rotwein als Sonntagsbraten serviere.

Immer war schon jemand vor mir da, hat gekostet und kleine braune Kügelchen hinterlassen. Und zeigt damit: Ich war schon hier.
Ich will auch mal Igel sein, erster am Ziel.

Selbst in Böhmen künden ständig Schilder: Goethe war schon hier. Dafür ist der aber auch schon tot und von Würmern aufgefuttert. Ätsch.

Das hat der nun davon.

Und ich bin wieder zu spät.

Freitag, 24. September 2010

Ohrwurm

Was passiert, wenn man mit einem Ohrwurm auf dem Bus wartet?
(der Ohrwurm war in diesem Fall: Dota und die Stadtpiraten: "Transparent")

Was soll ich mit der ganzen Ausgeschlafenheit, wenn ich hier am Straßengraben stehe - und niemand kommt.
Stattdessen: Aufgeräumte Gärten, gestaltete Wildnis und wieso macht keiner die Brennnesseln hinter dem Wartehäuschen weg, ich rufe morgen noch den Bürgermeister an, damit er höchstpersönlich von dem Schandfleck weiß.
Kein Wildwuchs, nirgends.
Dann lieber zurück ins Bett, ich bin Anarchistin jetzt und schieße scharf auf jeden, der was anderes will.

Wo bleibt der Bus?

Ich weiß manchmal nicht mehr weiter - und wie es scheint,
ich weiß bis hierhin und nicht weiter - und wie es scheint
geht es auch anderen so, ist nur anders gemeint.

Der Tag hat heute längst nicht das Ziel, den Abend zu erreichen, er wird einfach transparent, blaut auf - und stirbt am Straßenrand. Legt sich zu den Leichen von Fuchs und Eichhorn, Waschbär und Dachs. Kein Wunder, dass die Wirtschaft keinen Aufwind fängt, wenn sie den Dax überfährt und die Krähen kommen, um das Aas zu picken - ständig aufgescheucht von vorbeifahrenden Autos. und Lastkraftwagen und Omnibussen und Verkehr (dabei macht der gar nicht kehrt).

Nur nicht bei Rot über die Ampel, weder als Kässmann, noch als Fuchs. Nur: der Fuchs kann hinterher keine Bücher mehr schreiben und aus dem Straucheln den Zeigefinger recken, gleichzeitig Geld scheffeln mit dem eigenen Versagen, mea maxima culpa.

Echt jetz ma.

Kommt endlich der Bus.
Wieder verspätet.
Kein Wunder. Bei den Straßen.
Und wo doch der Soli alles in den Osten schaufelt, dahin woher alles flieht, was denken kann - und nur die Wölfe übrig bleiben.

Freitag, 6. August 2010

Am Ende eines Sommers, von Isabel Ashdown

Noch ist der Sommer nicht ganz um und die leise Wehmut, die der Herbst dann verbreiten will, lässt noch auf sich warten. So kann ich mich Familiengeschichten hingebungsvoll widmen. In diesen ist es ja oft so, dass die Dinge, die man mit mehr oder weniger Anstand hinter sich gebracht zu haben scheint, durch die Hintertür quasi hinterrücks sich wieder einschleichen.

Demnächst kommt das Buch. Ich werde es lesen.

Freitag, 29. Januar 2010

Barack Obama und der Senf


Ob Afghanistan oder Klimapolitik, Banken oder Rückzug, Herdentrieb oder Vernunft - überall muss Obama seine Meinung dazu geben. Seit einem Jahr ist er Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Sah er damals noch aus, wie ein überraschter großer Junge, der unerwartet den Goldschatz fand, haben sich jetzt tiefe Sorgenfalten in sein Gesicht gegraben.
Damit er aber seinen Senf nicht alleine überall dazugeben muss, hat der Senfladen in Wolfenbüttel nachgeholfen: Hier kann nun jeder, den es danach gelüstet, den Senf von Barack Obama auf sein Würstchen geben. (Oder worauf auch immer.)

Yes, we can.