Montag, 22. Oktober 2012

Polen, vierter Tag

Der vierte Tag in Polen fiel in zwei Teile auseinander, wie sie gegensätzlicher kaum sein konnten: Zuerst Schloss Pleß, oder Pszczyna, anschließend Auschwitz mit dem Vernichtungslager Birkenau.

Durch Schloss Pleß führte eine alte Dame. Sie schwärmte von Daisy, die hier mal lebte, und Fürst Bolko, der in München lebt und seinen Besitz zwar nicht zurückerhielt, doch ab und an zu Besuch kommt. Die große Residenz überstand den zweiten Weltkrieg unbeschadet - und wird wieder so eingerichtet, wie es auf alten Fotografien zu sehen ist
Überall, auf den Stuhllehnen und den Türklinken war das Wappen der Familie der Fürsten von Pleß, und es kam die ganze Aristokratie Europas mit Hund und Horn hierher, wie die alte Dame immer noch begeistert berichtete. Die Trophäen an den Wänden überall sprachen Bände: Ein Wolf, an den Pfoten aufgehängt, Biberfell, Elefantenstoßzahn, Auerhahn, Gämshörner, ein weißer Fasan, Steinbock, Hirsch und Reh ist ja fast profan gegen Nashorn und Elch. "Man sagt nicht: erschossen, sondern: erlegt", entrüstete sich die Führerin über eine despektierliche Bemerkung und pries immer wieder die Nekropole der fürstlichen Familie im Garten an. Diese sollte unbedingt besichtigt werden.
Ein Kronleuchter von wahrhaft gigantischem Ausmaß,
der Spiegelsaal:

und zwei etwas gelangweilte Wächter auf der Gartenseite...



Hier im Schloss spielte sich die Weltgeschichte einst ab, behauptete die Schlossführerin und verwies darauf, dass Hindenburg Lagebesprechung am großen Tisch abhielt, es gab Geheimgänge im Salon und fast in jedem Zimmer kam der Werbehinweis auf Bücher, in denen über die Geschichte des Schlosses geschrieben sei, wie Daisys Tagebücher. Den zweiten Teil des Tages gibt es morgen, in einem neuen Post.