Samstag, 30. Juni 2012

Laberei

Regentropfen rinnen über dunkle Straßen, Gassen eng und zusammengerückt, Höhlenfenster zugenagelt. 
Muffige Menschen, Mundwinkel nach unten gezogen - ab einem gewissen Alter ist jeder für sein Gesicht selbst verantwortlich.
Eine Frau dreht sich um und sieht: nein, dich nicht: Will ich nicht sehen. Dreht sich lieber noch einmal und fliegt hinweg, hebt sich über die engen Gassen mit ihrem Gemurmel in kleine Löcher rollen bunte Kugeln, stoßen sich klipperdiklapper gegenseitig an, klackern, tackern laut, aber sie halten nicht an, berühren sich nur an einem Punkt, minimalisierter Kontakt, punktgenau. Panzer mit minimaler Angriffsfläche, zielgenau, unendliche Laberei, immer ein Wort nach dem anderen, endlich ein offenes Ohr, höre ich denn, was der andere sagt - oder will ich ihn nur endlich loswerden, was mich bewegt, doch das will keiner wissen, will keiner hören, jeder wartet nur auf die nächste Gelegenheit, bis durch ein Atemholen ein Luftloch entsteht, in das jeder seinen eigenen Kram einflechten kann, ein Gewebe aus Worten.

Donnerstag, 21. Juni 2012

Titelblatt zum Heldrastein


Das Katzenkind kam mit auf die Reise. Und hat jetzt einen Stapel Fotos. Und schon mal ein Titelblatt für ihr Buch. 
Das kann ja jetzt was werden...


Dienstag, 19. Juni 2012

Vernunft und Liebe

Vernünftig sein.
Was ist Vernunft? 


Fragen stellen. Löcher in den Bauch fragen. Neugierig sein, nicht aushalten können. Erst Ruhe geben, wenn ich weiß, was an Weihnachtsgeschenken im Schrank liegt. 
Weiß ich erst dann, was ich mir wünschen darf - auf dass ich nicht enttäuscht werde?
Vorsichtshalber alles besser wissen.
Könnte ja sein, dass die anderen kein Recht haben. 

Was ist Liebe?
Wenn du immer lieb bist - solchen Antworten ist grundsätzlich zu mißtrauen. 

Grundsätzlich nichts glauben. Und wissen: Meine Erinnerung gehört mir. Auch, wenn die anderen behaupten, es sei völlig anders gewesen.

Freitag, 15. Juni 2012

Glück

Das Glück kann achtzig mal einssechzig groß sein, minus eine kleine Ecke. 
Wenn ich erst die Dinge habe, bin ich dann glücklich?
Nein. Ich brauche keine Dinge zum Glück, nur mich selbst. Mich und meine Phantasie: Daraus lassen sich Geschichten wie bunte Stoffe weben. 

Glück ist: Jeden Tag zu genießen, ganz so, als ob es mein erster wäre. Jeden Tag etwas neu zu entdecken, wie ein Kind zu staunen, selbstvergessen zu spielen, manchmal mich auch ohne Ziel treiben zu lassen, in einem Boot, welches die Strömung treibt und das Wasser trägt. 

Glück ist: Alleinsein. All-in-eins-sein.

Wie eine runde flaumige Kugel.

Ich bin nichts Besonderes. Ich bin der ganz normale Durchschnitt. 
Ist das jetzt ein tröstlicher Gedanke, oder möchte ich lieber ein richtiges Alleinstellungsmerkmal?

Dienstag, 12. Juni 2012

Pilgern mit Vorsatz

Ein Vorsatz ist ein Vorhaben vor dem Satz, stellen wir dem Satz voraus. Und verraten ihn nicht, behalten ihn geheim - damit es niemand weiß und darauf festnageln kann: "Du wolltest doch, du hast es versprochen".
Ja, ich habe versprochen, habe es mir versprochen, habe mich versprochen. Wer weiß denn, außer mir, was gemeint ist, was gemein ist, was gemein, allgemein gültig und was das Besondere ist, was nur mir gilt, wovon nur ich weiß und wissen kann.
Es gibt Dinge, die sind nur erlebbar, wenn ich eine Grenze überschreite. Auch wenn dies unter der Preisgabe meiner Freiheit ist, wenn ich mich nicht mehr begeben kann, wohin ich will - aber konnte ich das je? Oder hab ich einfach nur reagiert und mich treiben lassen in dem Ozean, der Leben heißt?
Pilgern, ein Leben lang. Ein Leben lang unterwegs sein, aufbrechen, ohne jemals anzukommen. Selbst wenn ich sitze, am Schreibtisch, auf dem Stuhl - ich bin unterwegs in meinen Gedanken. Nicht hier, sondern auf der Suche. Nicht nach mir, ich sitze hier...
Pilgern. Unter wegs sein. Unter Wegen, auf Wegen, unter Bäumen, zwischen Häusern, in Orten und meist zwischen Orten, zwischen Räumen, nicht umgrenzt, entgrenzt, ausgegrenzt, ausgebrochen.
Pilgern auf einem Weg. Auf meinem Weg, meinem Lebensweg. Manchmal fußlahm, manchmal müde, manchmal glücklich.