Samstag, 27. November 2010

Spiralige Wege

Ringelschwanz, Ringelwurst, Ringelreihen.
Mit einem Punkt in der Mitte fängt es an und wenn du was geworden bist, dann stellst du fest, dass du das Wichtigste vergessen hast.
So. Das wars, was ich heute sagen wollte.
Aber was ist wichtig im Leben?
Dinge sind es nicht.

Manchmal begleiten sie mich für eine Weile und verlassen mich wieder, wie gestrickte Strümpfe: angefangen, weiter genadelt, voller Vorfreude auf die warmen Füße kommt ein Kind des Wegs und sagt: "Och, Mama." Und zieht mit buntbestrumpften Haxen von dannen.

Panta Rhei. Du kannst nicht zweimal im selben Fluß baden, die Spirale dreht sich weiter, wie die Augen des Beschwörers, - nur Asterix und Obelix kommen unversehrt und gelangweilt aus der Höhle, Prüfung bestanden.

Prüfung, Hürde, Test: Was wird getestet und für gut befunden, oder für schlecht? Wenn wir schlecht schmecken, dann geht es ab in den Kompost, wie vergessener Kuchen, der sich mit samtig-flauschiggrauem Schimmel gegen die Speisekammerkälte wappnet.

Wappenzeichen, mit Zeichen wappnen, Zeichen vor der Brust, auf die Brust heften. Au, das sticht, wenn blanke Haut von der Nadel geritzt wird, dann wappnet der Anti-Atom-Kraft-Anstecker nach außen und piekt nach innen.

In Asse, um Asse herum leben die Krebse, wachsen und vermehren sich, bringen langsam ihre Träger, ihre Wirte unter die Erde. Doch dort kann der Krebs nicht weiter wachsen, ist Nahrung nur für Erdbeeren und Efeu. Aus dem Erd-Endlager kommt der Krebs selbst im Rückwärtsgang nicht mehr heraus.

Mittwoch, 24. November 2010

Eine Wunscherfüllungsgeschichte

Eine Erfüllungs-Geschichte...(für Ute)

Du willst unter einem Riesen-Mammutbaum verweilen:

Wenn du zum Essen pünktlich wieder da bis, sag ich dir, wo er steht. Oder weißt du was, das ist noch viel besser: Du packst dir einfach zwei zusammengeklappte Leberwurstbrote, einen Apfel und eine Thermoskanne Tee in deinen Rucksack. Dann kannst du solange bleiben, wie du willst.

Heute ist es ja warm, wenn du trotzdem eine Decke willst, nimm sie auch mit - und ein Kissen. So liegst du gut und weich und kannst dich zudecken und einrollen, wenn du müde wirst.

Trotzdem ist es besser, wenn du vor der Dunkelheit wieder nach Hause kommst, wer weiß, wer sonst so in der Finsternis durch den Wald strolcht.

Du gehst einfach zum Schwanenteich und an der Popperöder Quelle vorbei. Der Weg führt immer weiter - heute ist dahinten neu gebaut, jedenfalls kommst du bis zum weißen Haus in den Stadtwald. Von dort ist es nicht mehr weit. Du kannst ein Stück den ganz breiten Weg gehen. Dort fuhr früher einmal die Straßenbahn bis in die Munitionsfabrik, die im Stadtwald versteckt und getarnt lag und die dann so gründlich gesprengt worden ist, dass nur noch kleine Pfeiler und Fundamentreste im Wald darauf weisen, dass hier mal mehr als Walderdbeeren und Buchen war.

Wenn ein Weg nach rechts abzweigt, dann bleib noch auf dem Hauptweg. Später wird dieser schmaler und schwenkt nach rechts. Bei der Schutzhütte kannst du dich ausruhen. Oder ab jetzt links und wirklich querwaldein laufen.

Bis zu den drei Mammutbäumen, die vor fast zweihundert Jahren ein Förster pflanzte. Dort kannst du bleiben, von mir aus den ganzen Tag lang. Das Taschentelefon lass hier, dort ist kein Empfang. Du hast also deine Ruhe, das wolltest du doch, oder?

Du kannst dich auf die Decke legen und mit der Wange an den Stamm geschmiegt sehen die Bäume unendlich hoch aus. Die Rinde ist ganz weich, da kratzt nichts.

Und wenn du zum Abendbrot wieder da bist, dann gibt es Pfannekuchen mit Apfelmus. Die magst du doch. Und lass dich nicht mitnehmen. Manchmal sind ja böse Menschen unterwegs.

Samstag, 13. November 2010

Novembergedanken


dunkelblau
Unsterblichkeit im
Netz ist alles
erlaubt mit Besuch ohne
Antwort

Ich will ein Buch aufs Grab, sagte Königstochter jüngste. Und im Dezember sterben, weil ich da auch Geburtstag habe.

Ich will kein Buch aufs Grab. Bis dahin habe ich alle Bücher gelesen, das reicht dann.
Eine Schildkröte möchte ich - und auf dieser einen Salamander.
Die Schildkröte frißt im Sommer den Huflattich vom Grab, den Löwenzahn und das Gras. So bleibt Platz für Akelei und Vergiss-mein-nicht. Auf dem Schildkrötrücken sonnt der Salamander reglos, lässt sich tragen und wiegen.
Bis jemand kommt und die Ruhe stört:
Dann ist er weg, blitzschnell mit der getankten Sonnenenergie, wie ein gelbschwarzer Blitz im Steinhaufen am Grabrand verschwunden.
Die Schildkröte zieht sich zurück in den Panzer.
Nichts ahnend vom Leben um ihn und vor ihm und unter ihm bleibt der Besucher auf dem friedlichen Hof. Nur der Streicher vom Land weiß nicht genau: Ist der Geist aus der Flasche jetzt echt? Wenn er den Stein vor sich wähnt, der langsam faltige Beine bekommt...