Samstag, 2. November 2013

Nicht alle Heiligen - nur 14 Nothelfer

Weil man schließlich - wie in jeder ordentlichen Behörde - nicht mit jeder Kleinigkeit den Chef behelligt, gibt es in der Kirche die dafür zuständigen Heiligen: Ob bei Halsweh oder Schusseligkeit - immer gibt es einen, der dafür zuständig ist. Die Personalabteilung für die Heiligen ist die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse in Rom, die legen gewissermaßen fest, für welche Aufgaben und Nöte der entsprechende Heilige zuständig ist. 

Der Patron der Schusseligkeit: Antonius
Das ist in der Kirche nicht anders, als bei einem Oberbürgermeister oder dem Bundespräsidenten: Nur, weil ich einen neuen Personalausweis brauche, meinen Sperrmüll loswerden will oder eine Garage bauen möchte, frage ich ja auch nicht den oberen Stadtchef, sondern eben jene subalternen Mitarbeiter, die dafür zuständig sind. 

Am Feiertag Allerheiligen wird nun an alle Heiligen gedacht. Damit keiner vergessen wird, sind alle im Martyrologium Romanum verzeichnet: Neben 6650 Seligen und Heiligen, die namentlich bekannt sind, gibt es noch 7400 namentlich unbekannte Märtyrer. Bis  zum frühen Mittelalter hat quasi das Kirchenvolk selbst entschieden, wer heilig ist und Wunder bewirkt hat. Später kümmerte sich die Zentrale in Rom lieber selbst darum. Ab jetzt wurde nur noch in einem ordentlichen Verfahren heiliggesprochen. 

Eine Seite des Nothelfer-Altars
Die 14 Nothelfer sind Heilige aus den ersten Jahrhunderten der Kirche, sie wurden bereits im 9. Jahrhundert verehrt. In dieser Zeit waren die Menschen ohnmächtig gegenüber Krankheiten und Seuchen, wie der Pest. Auch gegen Hunger, Krieg und Brände schien nicht viel zu helfen - also wurde gebetet. Wer in dieser Zeit viele Heilige anrief, der sicherte sich nach dem damaligen Verständnis auch mehr an Schutz und Beistand. Deswegen wurden im 13. /14. Jahrhundert viele Kirchen den Nothelfern geweiht. Bis heute gibt es in ganz Europa über 800 davon. 

Vierzehnheiligen mit eingerüsteten Türmen
Unweit von Staffelberg und Lichtenfels steht in Oberfranken eine große Basilika der Vierzehnheiligen. Innen, unter dem Altar mit den vierzehn Heiligen darauf, ist eine Öffnung, durch die der Boden zu sehen ist, auf dem die Heiligen erschienen. Der Klosterschäfer Hermann Leicht sah vierzehn Gestalten, die Nothelfer, die ihn baten, an dieser Stelle eine Kapelle zu bauen. 1772 wurde die Barockkirche nach Plänen von Balthasar Neumann errichtet: Damals hat sich keiner über die Höhe der Baukosten beschwert, im Gegenteil, es konnte nach dem Ende des dreißigjährigen Krieges nicht prunkvoll genug sein. 

Bauzeichnung der Basilika 
Nach den himmelaufragenden Kirchen der Gotik und den Saalkirchen der Renaissance sollten die Kirchen des Barock prachtvoll sein - einen Gegenpol zum Sterben und zum Dunkel bilden. Die beiden großen Konfessionen waren und blieben verfeindet. In den Barockkirchen ist die Decke mit dem Himmel großflächig bemalt. Weil inzwischen dank der neuen Mathematik von Leibniz, Kepler und Newton Kurven, Parabeln und Hyperbeln berechnet werden konnten, nutzten die Baumeister diese Kenntnisse. Auch der Innenraum von Vierzehnheiligen ist als Ellipse konstruiert. Die Malereien an den Wänden und die Skulpturen gehen ineinander über und es sieht alles ein bisschen aus, wie in einem Schloss.