Freitag, 1. Juni 2007

Der Weg

war gekennzeichnet mit einem roten Aufkleber, darauf ein „E“ und das stilisierte Antlitz Elisabeths. Auf ihrer Homepage: http://www.elisabethpfad.de/ schrieben die Initiatoren, es seien 184 Kilometer von Eisenach bis Marburg. Mit den Umwegen, die ich gelaufen bin, weil ich oft genug den Aufkleber nicht fand, waren es bestimmt noch ein paar Kilometer mehr.



Die meiste Zeit führte der Weg auf alten Pfaden von Dorf zu Dorf. Katzenbuckeliges Steinpflaster ließ ahnen, dass hier einst Karren rumpelten und Handelsleute ihrer Wege zogen. Die alten Handelswege lagen aber keinesfalls bequem im Tal, sondern sie führten immer wieder auf die Höhen und Bergkämme hinauf und in die Ortschaften hinunter. Gab es doch früher in den Tälern keine ausgebauten Autostraßen, sondern feuchte Auen und Feinde ließen sich von weit oben auch besser erkennen.


Streckenweise waren neue Pfade angelegt: so von Spichra bis nach Creuzburg. Der frisch geteerte Weg führte in der prallen Sonne entlang, nirgendwo gab es Bäume oder Schatten. Es war so heiß, dass die Schuhe manchmal am Asphalt kleben bleiben wollten und sich mit einem schmatzenden Geräusch lösten.

Andere Wegstrecken waren traumhaft: Alleen uralter Bäume, oder blühende Hecken, die sich über den Pilgerweg neigten und ihre Blütenblätter wie bei der Fronleichnamsprozession streuten.


Ab und an war der Weg schwer zu erkennen. Oder vielmehr, der Weg als solcher war ja da - aber welcher war der Richtige? Manchmal habe ich einfach keinen Aufkleber gefunden, der mir zeigte: wo geht es weiter? An einigen Stellen war der Aufkleber erst etwa zweihundert Meter nach der Abzweigung angebracht. Das hieß dann: jeden Weg erst einmal ein Stück gehen, bis ich das Zeichen an einem von ihnen wieder fand. Dafür stand, als ich aufmerksam die Bäume absuchte, ein passendes Schild kurz vor Ziegenhain im Wald:






Ich verlor den Weg immer wieder. Einmal folgte ich einfach der Wegbiegung, weil der breite Hauptweg dort lang lief. Wäre ich dagegen dem unscheinbaren Pfad geradeaus gefolgt, hätte ich mir einen meiner Umwege erspart. So ist das eben, wenn man mit den Schafen trottet. Doch glücklicherweise traf ich an meinen Irrwegen immer Menschen, die mir weiter halfen und mich wieder zurück auf den richtigen Weg wiesen.

Denn ich hatte zwar keine Wanderkarte im Gepäck, wusste aber immer, welches Dorf als Nächstes auf meinem Pfad lag. Die kleine Übersichtskarte von der Homepage hatte ich mir glücklicherweise ausgedruckt, zusammengefaltet und in die Tasche gesteckt. Ein Din A 4 großes Blatt: ausreichend für den Weg.

Jaelle Katz