Sonntag, 3. Juni 2007

Der Geruch


Der Duft einer Kläranlage, im Hintergrund ist noch die Wartburg bei Eisenach zu sehen


Wer sich selbst nicht riechen kann, sollte diesen Pilgerpfad nicht gehen.

Denn nicht überall gibt es eine Pension oder Hotel zum Übernachten. Manchmal ist die fußlahme Pilgerin - in diesem Fall ich - am Abend einfach nur froh, wenn sie ein Eckchen angeboten bekam, in dem sie ihre Matte und den Schlafsack ausrollen konnte. Wie zum Beispiel auf einem Spielteppich im kirchlichen Gemeindehaus oder in einem Jugendraum im Pfarrhauskeller.

Waschen geht da auch: mit Waschläppchen und Seife am kalten Wasserhahn im Vorraum der Damentoilette. Wie gut, dass ich an beides nicht nur gedacht, sondern auch eingepackt hatte ...

Aber selbst wenn ich abends eine luxuriöse warme Dusche genießen konnte, am nächsten Morgen war alles perdu. Spätestens nach einer halben Stunde konnte ich - ich schrieb es schon - den Fleecepullover ausziehen und mir war nicht nur warm, sondern ich schwitzte.

Allerdings wurde meine Nase empfindlicher. Nicht für den körpereigenen Geruch, an den hatte ich mich schnell gewöhnt. Aber für den Duft der Blumen, des Rapses, des Waldbodens und der anderen Menschen. Am dritten Tag der Pilgertour kam mir eine Gruppe junger Menschen entgegen und passierten mich grüßend. Die Mischung der verschiedenen Parfüms und Haarsprays hatte ich noch lange in der Nase.

Ein blühendes Rapsfeld, kurz vor Creuzburg

Bei einer solch duften Ankündigung kann das Wild im Wald rechtzeitig Reißaus nehmen. Zumal die Jungs und Mädels sich auch die Ohren mit Musik verstopft hatten und das Ganze überbrüllend miteinander schwätzten.

Ich saß am zweiten Tag kurz vor der ehemaligen innerdeutschen Grenze auf einer Bank und vesperte, als gemütlich ein Hase auf dem Weg an mir vorbeilief. Der hat mich wohl weder gerochen, noch gehört oder gesehen:



Jaelle Katz