Montag, 11. März 2013

Frühlingsstimmung in Würzburg



In Würzburg schien Sonne und die Innenstadt war gleich menschenvoll. Enge auf der alten Brücke über den Main mit ihren bewachenden Heiligen unter der thronenden Festung Marienberg. 


Es gab Schoppenwein und  entspannende Lichtblicke, ein erster Hauch von Frühlingsluft zauberte mehr als ein Lächeln in winterblasse Gesichter. Selbst die Heiligen schienen heute vergnügt und weniger leidend. Im Hintergrund leuchtet hell die Westfassade des Würzburger Kiliansdomes. 





Wie hier der Heilige Friedrich, ein relativ wenig bekannter Bischof. Weil er  ein Namenspatron des Fürstbischofs Friedrich Carl von Schönborn war, ziert seine Statue neben anderen seit etwa 1730 die Nordseite der Brücke. 












Das Dach des "Käppele", oder korrekt: Mariä Heimsuchung, nach den Plänen von Balthasar Neumann erbaut, der die Fertigstellung nicht mehr erlebte. 
Blick vom Käppele auf die Stadt hinter dem Main. 
Schmiedekunst an der Würzburger Residenz.

Mittwoch, 27. Februar 2013

Entdeckungen in Franken

Eisig kalt war es, bei dem Ausflug nach Rothenburg ob der Tauber. Wenn die Finger fast erfrieren, nimmt die Lust, sich umzuschauen, eindeutig etwas ab. Leider. Denn das Städtchen ist wirklich schön. Auch wenn Weihnachten längst vorbei ist, hat der Weihnachtskitschladen immer noch geöffnet und bot Gelegenheit zum Pfötchenwärmen. 
 
    
 So wirklich viele Japaner waren bei dieser Kälte nicht unterwegs und eigentlich war es laut Thermometer auch nur zwei bis drei Grad unter Null. Gefühlt waren es aber viel weniger. 


 
 Eines ist garantiert: Da fahre ich, wenn es wärmer wird, noch einmal hin. Es gibt nicht nur zuckersüßes Fachwerk, sondern auch Schwiegermutterfenster: Damit hatte der Hausdrache die ganze Straße sicher im Blick, sah, wer in die Kirche ging und wer sich zu einem Schwätzchen traf.

 


Mittwoch, 24. Oktober 2012

Polen, fünfter Tag

Krakau. Krakow.

Die Stadtführerin führt hoch auf die Königsburg, den Wawel. Leider ist alles noch ein wenig in schummrigen Nebel gehüllt. 
  Gut 500 Jahre lang war Krakau Königsstadt. Und so gibt es auf der Königsburg eine Kathedrale mit vielen später angebauten Seitenkapellen. Am Eingang der Kirche auf dem Wawel hängen Knochen, die eines Wals und eines Wollnashorns. Der Sage nach errichtete der Stammesfürst Krak die Stadt auf einem Drachenhügel - selbstverständlich erst, nachdem er den Drachen getötet hatte. Und so lange die Knochen dort am Eingang hängen, ist Krakau vor Unheil geschützt.
 In Krakau war Johannes Paul II. vor seiner Wahl zum Papst Erzbischof. 
Durch die Universität von Krakau führte ebenfalls jemand, erzählte von Kanzlern und Senat, zeigte die Schatzkammern und führte weiß behandschuht einen alten Globus vor. 

Draußen auf dem Marktplatz paradierten die Jäger und feierten Hubertustag. Dafür waren wir rechtzeitig in der Marienkirche, trotz großem Andrangs. Die Flügel des Altars waren noch geschlossen und pünktlich um 12 kam eine junge Nonne und öffnete sie. Wer je Bilder dieses Altars von Veit Stoß gesehen hat, irgendwo, auf dem Papier, der kann sie vergessen. Echt. Fahr hin. Gucks dir in echt an. Einfach großartig. 
Aber damit war ja erst der halbe Tag um. In der anderen Hälfte ging es noch einmal unter die Erde, in die königlichen Salzgruben nach Wieliczka. Viele Stufen lang ging es tief in die Erde, 64 Meter. 

Die Holzbalken wurden ohne Metall verbaut: So versteinern sie mit der Zeit. Metall dagegen löst sich im Salz auf. Und die Wände waren schon ziemlich salzig, ich hab mal dran geleckt. 
Auch hier wohnten Pferde unter der Erde. Allerdings durften sie ab und an oben Urlaub machen, aber auch nur im Dunkeln. 
 Eine Menge Holz wurde hier verbaut. Und von den ganzen Schächten und Sohlen habe ich nur etwa zweieinhalb Kilometer gesehen. Der Rest ist nur für die Bergleute. 
 Unterirdische Seen gab es und unterirdische Kapellen und Säle. Zauberhaft. Schön wars. Den Weg nach oben durften wir allerdings mit einem Aufzug fahren.




 

Dienstag, 23. Oktober 2012

Polen, vierter Tag (Teil zwei)

Der zweite Teil des vierten Tages war das Kontrastprogramm: Besuch in Oswiecim. Auschwitz. 

Das Stammlager war ursprünglich eine Kaserne der polnischen Armee, 1940 kamen der erste Transport, reichsdeutsche Strafgefangene, die hier Funktionen übernehmen sollten.
Zwar gibt es Bilder, ich hab darüber gelesen - doch als ich selbst dort war, die Berge an Haaren und Schuhen sah, von denen jedes Foto nur einen kleinen Ausschnitt zeigen kann - das Grauen des Ortes ist klar zu spüren.

Auch im Konzentrationslager gab es noch ein extra Gefängnis. Hier waren im Keller Stehzellen eingerichtet, in die Häftlinge zur Strafe kamen: durch ein Loch, unten in der Wand, kuchenblechgroß, mussten die Verurteilten kriechen und sich zu viert eine Fläche von knapp einem Quadratmeter teilen. Pater Maximilian Kolbe opferte sich für einen Mitgefangenen und wurde statt diesem in die Hungerzelle gesperrt und weil er nach zwei Wochen noch nicht verhungert war, durch eine Spritze ins Herz hingerichtet.





 Ein Stück entfernt ist das Lager Auschwitz-Birkenau. Hier fehlen einfach die Worte, so wie die Menschen der Welt fehlen, die hier ankamen, um ihre letzten Schritte bis in den Tod zu gehen. 



 








Montag, 22. Oktober 2012

Polen, vierter Tag

Der vierte Tag in Polen fiel in zwei Teile auseinander, wie sie gegensätzlicher kaum sein konnten: Zuerst Schloss Pleß, oder Pszczyna, anschließend Auschwitz mit dem Vernichtungslager Birkenau.

Durch Schloss Pleß führte eine alte Dame. Sie schwärmte von Daisy, die hier mal lebte, und Fürst Bolko, der in München lebt und seinen Besitz zwar nicht zurückerhielt, doch ab und an zu Besuch kommt. Die große Residenz überstand den zweiten Weltkrieg unbeschadet - und wird wieder so eingerichtet, wie es auf alten Fotografien zu sehen ist. 
Überall, auf den Stuhllehnen und den Türklinken war das Wappen der Familie der Fürsten von Pleß, und es kam die ganze Aristokratie Europas mit Hund und Horn hierher, wie die alte Dame immer noch begeistert berichtete. Die Trophäen an den Wänden überall sprachen Bände: Ein Wolf, an den Pfoten aufgehängt, Biberfell, Elefantenstoßzahn, Auerhahn, Gämshörner, ein weißer Fasan, Steinbock, Hirsch und Reh ist ja fast profan gegen Nashorn und Elch. "Man sagt nicht: erschossen, sondern: erlegt", entrüstete sich die Führerin über eine despektierliche Bemerkung und pries immer wieder die Nekropole der fürstlichen Familie im Garten an. Diese sollte unbedingt besichtigt werden.
Ein Kronleuchter von wahrhaft gigantischem Ausmaß,
der Spiegelsaal:

und zwei etwas gelangweilte Wächter auf der Gartenseite...



Hier im Schloss spielte sich die Weltgeschichte einst ab, behauptete die Schlossführerin und verwies darauf, dass Hindenburg Lagebesprechung am großen Tisch abhielt, es gab Geheimgänge im Salon und fast in jedem Zimmer kam der Werbehinweis auf Bücher, in denen über die Geschichte des Schlosses geschrieben sei, wie Daisys Tagebücher. Den zweiten Teil des Tages gibt es morgen, in einem neuen Post.
 


 

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Polen, dritter Tag

Zabrze

Wie soll ich sagen, die Stadt hat ebensolchen herben Charme, wie der Kohlenpott. Nicht viel zu gucken, aber das kriegen wir noch. Zuerst fuhr der Bus zu einer Dampfmaschine, die war aber noch nicht fertig angeheizt. Auf dem Gelände stand verschiedener Militärkram eben mal so herum, so wurde die Zeit nicht so lang.
Irgendwann war auch fertig geheizt. Und eine riesengroße Fördermaschine lief. Klar, da hat auch jemand noch was Genaueres dazu erzählt. Leider das Meiste auf polnisch...
Außerdem gab es noch vom Förderturm eine Aussicht von oben, auf viel Nichts. Aber nett war es, ja.
 Weil dann Zeit war - und nichts zum Angucken, - hier wurde malocht, da gibt es keine Flaniermeile - fuhr der Bus zu einem Einkaufszentrum, wie es sie auch bei uns zu Tausenden gibt. Glücklicherweise war es draußen sonnig und die Straßenmeisterei hat für Unterhaltung gesorgt, indem sie zwei Autos so hübsche gelbe Schuhchen auf die Reifen geschraubt hat. Bis die Besitzer jeweils kamen und zahlten.
Nachher ging es unter Tage, 170 Meter tief. Und weil Touristen zwar Helme wie Bergleute kriegen, aber dadurch keine werden, fuhr der Förderkorb nur mit sieben Metern pro Sekunde abwärts, statt mit zwölf. 
 Ab jetzt wurde es lustig: Einer hat erklärt, auf polnisch. Und einer hat versucht, zu übersetzen. Aber kaum hatte der Übersetzer einen halben Satz gesagt, schnatterte der erste schon wieder auf polnisch mindestens zehn Sätze. Himmel hilf. Und so hab ich nur, na, vielleicht ein Zehntel verstanden. Immerhin gab es mal achtzig Pferde hier unten, jedes hatte einen Tag Arbeit und einen Tag frei. Nur nach oben kamen sie nie wieder. 
Nach anderthalb Stunden waren wir aber wieder glücklicherweise oben. Mit vielen polnischen Erklärungen.
Interessant ist es auch, wenn man polnisches Essen bestellt. Wer bei einer Suppe aus roten Beten, Borstsch genannt, an die russische Variante denkt, in der alles mögliche herumschwimmt und von der man auch richtig satt werden kann, guckt dann doch etwas sehr erstaunt, wenn er ein klares rotes Wasser im Suppennapf serviert bekommt. Zwar gibt es ein Gebäckstück, ein Hörnchen aus Hefeteig mit Fleischfüllung dazu, doch die Enttäuschung der Mitreisenden war hörbar. 
Morgen geht es weiter...

 
 
 

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Polen, zweiter Tag

Breslau
Eine Stadtführerin fährt im Bus mit und erklärt vieles, was ich sonst nur erraten könnte. Im alten Gefängnis saß schon Rosa Luxemburg, davor ist die Psychiatrie, daneben das Standesamt, gegenüber noch Finanzamt und Feuerwehr. Und so nennen die Breslauer diese Gegend einfach Katastrophen-Ecke. 
Bunker aus den vierziger Jahren, grüne Hügel aus Schutt und eine Straße, die einst eine Landebahn war, zu der Zeit, als Breslau eine Festung sein sollte. Häuser wurden dafür gesprengt, doch genutzt hat es nichts. 
Die Säulen vor der Jahrhunderthalle habe mal ein Dach gedeckt, sagt die Stadtführerin. Dann hätten aber keine Stiefmütterchen darunter wachsen können. 

Wer über siebzig Jahre alt ist, der kann hier kostenlos mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln fahren. Das ist ja gegenüber Görlitz doch ein echtes Alleinstellungsmerkmal. 
Der Zahnstocher vor der Jahrhunderthalle, die übrigens Weltkulturerbe ist, reicht 96 Meter hoch in den Himmel.
Der Dom von Breslau, im April 45 durch Bombe getroffen, davon sieht man glücklicherweise natürlich nichts mehr.
Im Dom steht die Orgel aus der Jahrhunderthalle, die übrigens deswegen so heißt, weil sie an die preußischen Befreiungskriege gegen Napoleon erinnern sollte, einhundert Jahre später. Jeden Sonntag werden sieben Messen gefeiert, da ist die Welt noch in Ordnung. 
Auch Nepomuk steht herum, der sich ja lieber in Prag in die Moldau schubsen ließ, als das Beichtgeheimnis zu verraten. Ganz süß sind die vielen Zwerge, die ich in der Stadt fand. Hier ist einer, der die Gaslaterne anzündet.
   
 Und hier ist noch einer, der sitzt vor dem alten Stadtgefängnis. Wie romantisch, sagte jemand beim Besichtigen des Innenhofes. Aber es kommt wie überall einfach nur auf die Perspektive an. Denn das Tor war ja offen...
Ob Universität

Markthalle
Rathaus
Es ist ganz schön viel Stadt für nur einen Tag. Das könnt ihr mir glauben.