Dienstag, 18. Februar 2014

Bamberg: Ausstellung in der Villa Concordia

Kunst ist, wenn man trotzdem lacht...
Neulich, auf Facebook, rutschte eine Einladung über meinen Bildschirm: In der Villa Concordia in Bamberg könne ich Kunst gucken gehen. Für umsonst. 

Warum auch nicht. Es war schließlich Sonntag, und nichts zu tun. Wer will denn schon sonntags arbeiten? Also auf nach Bamberg. 

Auto geparkt und den Rest gelaufen, durch enge Gassen und an alten Häusern vorbei. Im Innenhof eines dieser Häuser zogen sich die Elektrokabel außen an der Hauswand entlang. Am Gässchen endete an einer großen barocken Villa: Villa Concordia, was so viel wie Harmonie oder Einklang heißt. Die Treppenstufen sind beschriftet und über dem Gulli an der Straßenecke kniet eine junge Frau. Als wir fast an der Eingangstür angekommen sind, flitzt sie an uns vorbei, öffnet und entschuldigt sich kurz, weil sie so schmutzige Hände hat. Ihr sei der Schlüssel in den Gulli gefallen und sie müsse ihn wieder rausfischen. 

Sie führt uns nach oben, in den Anbau, in die Ausstellung. Erläutert kurz das Konzept der Villa, die an elf Monaten im Jahr für zwölf Künstler eine Heimat bietet. Bis zum 9. März sind also hier noch die Bilder von Nikita Alexeew zum Thema "Das Ufer" zu sehen. 

Auf einer Wand sind das einfach Fotos. Fotos von der Regnitz. Einmal das rechte Flussufer, einmal das linke. Immer abwechselnd. Lustig werden die Fotos erst durch die Texte, die darunter zu lesen sind. Hier vergleicht Alexeew die Regnitz mit dem Styx, dem Fluss, den nach der griechischen Sage die Toten überqueren, mit Charon als Fährmann. Doch wer über den Styx reist, kommt gewöhnlich nicht zurück. So lange eine Flussüberquerung dauert, so lange ist es nicht sicher, auf welchem Fluss die Fähre unterwegs ist. Erst wenn das Ufer in Sicht kommt, lässt sich ein Wasser vom anderen unterscheiden. 



Während Alexeejew von einem Ufer zum anderen gondelte, ob auf dem Styx oder der Regnitz, Charon von der Fähre sprang, saß dort am Ufer und bastelte in seiner Phantasie fragile Gebilde aus Treibholz und bannte sie mit Aquarell auf Papier. Serielle Fotos, serielle Zeichnungen. Sehr schön. Ich habe versucht, den Titel des Bildes jeweils zu entdecken, manchmal ist es mir gelungen, jedenfalls glaube ich das, aber nicht immer. Es darf auch immer etwas Geheimnisvolles dabei sein, ich muss nicht alles so verstehen und sehen, was der Künstler so gemeint hat. Ich bin ja nicht im Schulunterricht und muss herauskriegen, was jetzt der Lehrer von mir hören will. So zerbrechlich stehen die gemalten Skulpturen auf den Bildern am Strand, dass auf den ersten Blick klar ist: Halten würde das nicht. Wie Luftschlösser oder tanzende Elfen stehen sie am Ufer eines beliebigen Flusses. 

Ein zweiter Teil der Ausstellung ist im alten Rathaus in Bamberg. Einige Videoloops von Manuel Graf, die sind kurz genug, damit ich sie in ganzer Länge angucken kann. Das finde ich in anderen Ausstellungen oft sehr schade, da sind entweder zu viele solcher Installationen oder die dauern so lange, dass ich dann doch lieber weiter ziehe. Jedenfalls sind sie lustig: Eine erinnerte mich an das Bleigießen an Silvester, da entstanden digitale Blasen und Gebilde, die auch benamst wurden. Auf einem Stuhl stand ebenfalls ein Bildschirm und verzog die Lehne. Drei zerrissene Stücke waren dort von Leonid Tsvetkov, und auch hier stand etwas von Nikita Alexeejew: Wurden im Mittelalter die Reliquien der Heiligen verehrt und die Knochen nach dem Tod in reich verzierte Kästchen gesperrt, so geschieht selbiges mit den Dingen, welche heutzutage von den Mächtigen benutzt werden. Diese werden ebenfalls heilig gehalten und hoch verehrt. Doch woher wollten wir denn wissen, ob Magritte jenes Trinkglas oder Warhol jene Taschenlampe, Krupp diesen Schlüssel oder Mussolini ein Schweizer Taschenmesser hatte? In ihrer industriellen Fertigung sind die Gegenstände derart austauschbar, dass die auratische Aufladung durch deren Benutzung unsichtbar ist. Das gilt ebenso für Goethes Federkiel, aber der war wenigstens handgeschnitzt. Alexeejews Zeichnungen vom Schlüssel, Trinkglas, Taschenlampe oder Taschenmesser sind mit ihrer zuweisenden Beschreibung ein spöttisches Augenzwinkern. Nehmt alles nicht so ernst.

Wie gesagt. Schön war es, vergnüglich und pfiffig.
Wer noch will und noch nicht hat, der sollte sich beeilen: Bis zum 9. März ist nicht mehr viel Zeit.  
Ach so. Der anfangs erwähnte Schlüssel wurde aus dem Gulli befreit. Und mit vereinten Kräften das eiserne Gitter wieder richtig eingesetzt. Also: Alles ist am richtigen Platz, Schlüssel, wie Gullideckel. 

Samstag, 15. Februar 2014

Karpfen - eine Annäherung

Bei meiner ersten Begegnung mit einem Karpfen war ich sieben Jahre alt: Der Karpfen schwamm in unserer blauen Kinderbadewanne, die auf dem Fußboden in der Küche stand. Ich kniete neben der Wanne und schaute fasziniert zu, wie der Fisch seine gering bemessenen Runden drehte. Vorsichtig steckte ich die Hand ins Wasser und streichelte den Karpfen vorsichtig über den Rücken. Iiiih. Glitschig und kalt. Ich wähnte mich mutig. Noch mutiger war mein kleiner Bruder, fünf Jahre jünger als ich. Der steckte die Arme bis über beide Ellenbogen in das Wasser, wollte den Fisch fangen und haben. Es gab einen lauten Platscher und er kippte kopfüber in die Wanne, gleichzeitig sprang der Fisch hinaus und zappelte wild auf dem Fußboden. Brüderchen saß breit grinsend und patschnass im Wasser, freute sich ganz offensichtlich und stemmte die Hände auf dem Wannenrand. Es ist erstaunlich, wie kleine Jungs eine für alle anderen offensichtliche Niederlage sofort in einen Sieg für sich ummünzen. Jedenfalls war alles zusammen eine schöne Sauerei, überall Wasser und der kleine Bruder ebenfalls patschnass. Ich glaube, da hatten meine beiden Eltern eine Weile zu tun, bis alles wieder trocken war. 

Ich war längst erwachsen und hatte ein Kind, als ich die nächste Begegnung mit einem Karpfen hatte, der in Stücke geschnitten und blau zu Heiligabend auf dem Teller mit dem Goldrand lag. Das freundlich gemeinte Angebot an das Kind, es könne auch Fischstäbchen essen wies selbiges empört zurück: "Ich bin doch kein Baby mehr". Dabei blieb es. Zwar isst keine meiner Lieblingshausziegen Fisch, aber der Karpfen zählt nicht zu dieser Gattung. Vielleicht haben das ja die Mönche auch so gesehen, die seit dem Mittelalter den Karpfen in Weihern züchteten. Karpfen, nun ja. Wenn es sein musste, dann habe ich ihn gegessen, aber so überragend fand ich ihn nicht. Es ist mit dem Karpfen wie mit vielen anderen Dingen auch: Weil er teuer war, gab es ihn selten. Heiligabend war ein besonderer Abend, da musste auch das Essen dem Anlass entsprechend angemessen sein. In diesem Fall gab es den Karpfen aus der Tradition der bürgerlichen Küche heraus, weil es schon immer so war und selbst die Lieblingshausziegen führen diese Familientradition fort, weil es sich nun einmal so gehört, keiner außer ihnen sie weiter führen kann. Und weil der Karpfen zu Weihnachten kein Zankapfel war, sondern ein Symbol: Der Tisch war weiß gedeckt, mit dem Goldrandgeschirr und Silberbesteck, jeder hat sich extra und ordentlich angezogen und nach dem Essen wurden auch die Geschenke überreicht. 



Donnerstag, 13. Februar 2014

Unterwegs im Aischgrund

Je kleiner die Straßen werden, die in den Aischgrund führen, desto lauter knirschen die Reifen des Autos auf der Fahrbahn. Der Winter ist noch einmal zurück gekommen und hier wird weder geräumt, noch gestreut. Weit geht der Blick über die Ebene, hier gibt es keine Berge als Begrenzung. Die Kirchtürme der Dörfer ragen über den Feldern und Teichen hoch wie die Leuchttürme am Rand der Meere und zeigen an: Hier in den Häusern überall wird gewohnt und geliebt und gegessen und gelacht. 
Überall und rundherum ist Wasser. Nicht so, wie an der Nordsee, an einem Stück, sondern in vielen kleinen Teichen, einer am anderen, einer neben dem anderen. Zwischen den Teichen kann ich gehen. Es gibt richtige Wege, die auch extra gekennzeichnet sind, aber ich kann auch oben über die Dammkronen stiefeln. Das ist ein bisschen wie Hüpfekästchen, nur dass es hier besser ist, wenn ich die Hüpfekästchen, das heißt, die Teiche, nicht treffe. Sonst werde ich nass. Leider kann ich nicht sehen, ob die Teiche auch bewohnt sind. Aber die Reiher ringsherum wissen das sicherlich besser, als ich. Die sitzen und waten und warten. Geduldig. Sie haben Zeit. Mehr als ich. 

Der gewöhnliche Teichbewohner im Aischgrund ist der Aischgrund-Karpfen, der hier seit mehr als 1250 Jahren gezüchtet wird. Weil die Kirche Fastenzeiten verordnete und weil der Karpfen als Fisch in dieser Zeit erlaubt war. Außerdem schmeckt er gut, wenn er ausreichend gewässert wurde. 
Der unschätzbare Vorteil einer Wanderung im Winter durch den Aischgrund ist außerdem: Es sind in dieser Jahreszeit garantiert keine Mücken unterwegs. Wie das im Sommer ist, weiß ich noch nicht. Das wird sich dann zeigen, wenn es so weit ist. Jetzt ist das Schilf weiß überzuckert, ein Hase macht Männchen und ich wusste gar nicht, dass Hasen so groß werden können. Der guckte bestimmt mehr als einen halben Meter hoch. Rehe laufen gemächlich, entweder sind sie an Spaziergänger gewöhnt, oder sie erwarten keine und sind deswegen unbekümmert. Wer weiß das schon. Nur eines, das ein wenig hinter den anderen her trödelt und mir daher näher kommt, kriegt einen Schreck und beeilt sich lieber. 

So ein Hüpfekästchenwandern ist sehr nett. Erst geht es eine Weile in die Richtung, aus der die Sonne scheint, und dann zurück. So ganz ohne Plan. Die Suche nach dem Auto, welches im Irgendwo am Straßenrand steht, ist dann der Stresstest: War ich nun an diesem Teich vorbeigegangen, oder am nächsten. Klar ist: Das Dörfchen, welches gerade vor mir liegt, dort war ich nicht. Also geht es wieder zurück, bis dorthin zu der kleinen Wegkreuzung, wo ich bereits auf dem Hinweg vorbeikam. Kurz vorher zweigt ein schmaler Pfad links ab. Jetzt zeigt sich der eindeutige Vorteil von Schnee, Matsch und Winter: Meine Stiefelspuren sind deutlich zu sehen. Puh. 
Das Auto wartet. 
Zur Belohnung gab es einen Krapfen. In Höchstadt. Mit einer Füllung aus Hagebuttenmark, das hier in Oberfranken Hiffenmark heißt. Allerdings las ich erst auf dem Schild, das vor der Bäckerei stand: Karpfen. 
Karpfen und Krapfen. 

Freitag, 7. Februar 2014

Webmasterfriday: Wer bin ich

Weil Martin vom Webmasterfriday den Überblick verloren hat, möchte er gerne wissen, wer eigentlich die Blogs betreibt. Und so gibt es heute einen 

Blog-Steckbrief in eigener Sache

Wer bist Du und was von deinem Privaten ist für den Blog relevant?
Wie viele andere Menschen auch, bin ich eine Sammlung aus den unterschiedlichsten Rollen: Frau, Muttertier, Schreiberin, Beobachterin, Fotografin, Köchin, in Kürze Oma... (hier lassen sich bei Bedarf auch noch mehr aufzählen). 
Ich gehe gerne wandern. Das ist für den Blog im Moment relevant. Manchmal kommt ein Rezept dazu, oder auch Gedanken zu anderen Dingen. Ich habe den Blog in 111 Sachen in Franken machen umbenannt, als ich im Sommer nach Franken zog.Und weil es sich immer noch wie Urlaub anfühlt, wenn ich hier unterwegs bin, Orte entdecke und dann darüber schreibe. Persönlicher wird es eher auf meinem anderen Blog. Doch dort schreibe ich im Moment nicht so häufig.
Einen anderen Blog habe ich kürzlich mit der Lieblingshausziege eröffnet: Auf Muttertierleben schreibe ich über das Leben mit einem Teenie, und sie antwortet oder schreibt eigene Gedanken auf ihrem Blog. Mal sehen, was daraus wird. 

Wie lange bloggst Du schon?
Seit sieben Jahren. Inzwischen bereite ich den Umzug von blogspot auf eine eigene Webseite vor. Demnächst. Wenn mal Zeit ist, alles fertig zu stellen.  

Was ist das Hauptthema Deines Blogs und welches sind Deine erfolgreichsten bzw. wichtigsten Artikel bisher?
Vor sieben Jahren habe ich mir über mein Blogthema keine Gedanken weiter gemacht, ich habe einfach gebloggt, was mich interessiert hat und was mir so einfiel. Manchmal verging relativ viel Zeit zwischen den einzelnen Posts, weil ich ja auch mein Geld mit dem Schreiben verdiene. Die Konzentration auf die Entdeckungen in Franken und die Beschreibungen davon hat sich deswegen herauskristallisiert, weil die Beiträge über Wanderungen am Erfolgreichsten waren. Das hatte ich ursprünglich gar nicht so geplant, zumal diese ersten Wanderposts eigentlich nur "Zweitverwertung" waren, von meinen Artikeln, die in der Zeitung standen. 

Hast Du Ziele mit deinem Blog? 
Bisher nicht. Wenn ich allerdings die Wander- und Entdeckerposts dann auf einer eigenen Webseite habe, kann es schon sein, dass ich diese zu einem Buch zusammen fasse. Außerdem bin ich gerade dabei, eine Reihe von Texten zu schreiben, die sich um den Weg zu einem persönlichen und kreativen Reise- oder Wandertagebuch drehen. Ob das nun ein Buch wird, oder ich diese als Blogbeiträge veröffentliche, das weiß ich noch nicht. Mal sehen. Bisher trage ich Ideen zusammen, sammele kreative Techniken, probiere selber diese Dinge aus und lese viel dazu. 

Welche anderen Blogs liest Du gerne? 
Da gibt es eine ganze Menge, so viele kann ich hier gar nicht aufzählen. Aber drei möchte ich doch erwähnen: 
Isabel Bogdan (die ich in einem Seminar in Wolfenbüttel kennen gelernt habe) 
Frederik Weitz (der viel über die Struktur von Sprache und Schrift schreibt und Videos dazu veröffentlicht) 
Kolumnen lese ich immer gerne (da gibt es oft was zum Lachen)

Freitag, 31. Januar 2014

Webmasterfriday - Abzocke im Internet

Ob ich schon einmal im Internet abgezockt wurde? Ehrlich?
Das fragt der Webmasterfriday.  

Glücklicherweise nicht. Einfach deswegen, weil ich nichts kaufe, was ich nicht brauche. Weder Klingelton, noch Clubmitgliedschaft bei Web.de. Dort habe ich zwar mein elektronisches Postfach, aber es nervt einfach nur, wenn statt des Postfachs ein Geburtstagsglückwunsch mit dem kostenlosen Clubzugang auftaucht. Ich will bei denen in keinem Club Mitglied sein, deswegen ist mir glücklicherweise auch entgangen, dass dieser nach einiger Zeit sehr wohl kostenpflichtig ist. 

Auch in der Nicht-Internet-Welt möchte ich keine Kaffeemaschine kaufen und dazu noch eine Kuscheldecke gratis bekommen, die ich nicht brauche. Deswegen fällt es mir leicht, solchen Verlockungen zu widerstehen. Ob Horoskop, Rezept oder Hausaufgabenhilfe: Ich brauche nichts. Deswegen brauche ich auch keinen Dienst, der mir das anbietet. Suche ich ein ganz bestimmtes Rezept, dann finde ich das auch. Damit ein Mensch nicht im Internet abgezockt wird, hilft es, wenn sich dieser sein Haben-Wollen und seiner Gier nach Dingen bewusst ist. Denn genau das wird ausgenutzt, wenn im Internet eine süße Versuchung lockt. Es erinnert mich immer an eine Mausefalle: Vorne klemmt der Speck und wenn die Maus dem Duft nicht widerstehen kann, dann schnappt der Bügel zu. Vor dem Haben-Wollen zu Denken schadet nicht, auch wenn es manchmal weh tut. 

Seit etwas über einem Jahr sind Firmen verpflichtet, einen eindeutigen Knopf auf der Webseite zu haben, auf dem "Kaufen" oder so steht, damit auch jeder verstehen kann, dass es hier nichts umsonst gibt. Leider hat sich das offenbar noch nicht überall herumgesprochen. Die Verbraucherzentralen monieren, dass es immer noch Firmen gibt, die sich nicht daran halten. Wie beispielsweise melango.de, ein Schnäppchenmarkt, der sich eigentlich - das steht in den Vertragsbedingungen - an Unternehmer richtet. Doch auch ganz normale Menschen konnten sich einloggen und auf die Produkte klicken. Danach sollten sie sich registrieren: Name, Adresse und E-Mail-Adresse waren gefragt. Allein dafür sollte eine Grundgebühr von 249 Euro und eine einmalige Aufnahmegebühr von 199 Euro fällig werden. Der Hinweis auf die Kosten war hübsch versteckt und eine Widerrufsbelehrung gab es auch nicht. Das Landgericht Leipzig hielt das für rechtswidrig. Wenn eine Seite nur für Unternehmer und Gewerbetreibende ist, dann muss diese dafür sorgen, dass sich Otto Normalverbraucher dort nicht einfach anmelden kann und dafür abkassiert wird. 

Auch die Werbung für die Clubmitgliedschaft bei Web.de wurde vom Landgericht Koblenz als rechtswidrig eingestuft. Zwei Monate lang sollte der Zugang kostenlos sein. Glücklicherweise brauche ich nichts, was mir als kostenlos hinterhergeworfen wird, schon gar nicht eine Clubmitgliedschaft. Was soll ich damit? Hätte ich hingegen zugestimmt und nicht rechtzeitig gekündigt, dann hätte ich nach den kostenlosen zwei Probemonaten jeden Monat fünf Öcken gelöhnt, mindestens für ein Jahr lang. Weil dieser Hinweis nur im Kleingedruckten versteckt war, hielt das Landgericht Koblenz diese Werbung für unzulässig. 

Fazit:
Diese Firmen nutzen einfach die Gier und das Haben-Wollen der Menschen aus. Würden sich mehr Menschen darüber Gedanken machen, was sie mit dem Zeug eigentlich wollen, dann könnten solche Abzocker keine Kohle verdienen. 



Mittwoch, 8. Januar 2014

Das Jesuskind in Banz



segnendes Jesuskind
Wie mit Engelsaugen schauen die kleinen Kinder tief in die Seele der Besucher in der Banzer Kirche. Leise Musik rieselt und sie scheinen wie Wesen von einer anderen Welt. Und suchen doch hier auf Erden unseren Schutz, unsere Liebe und unsere Hilfe. Das Gleiche, was für menschliche Babys gilt, ist auch bei den - ja, was? - Puppen? Figuren? Darstellungen? Jeder kennt das Kind, welches an Weihnachten in der Krippe liegt und von Ochs, Esel und Schaf beäugt wird. Franz von Assisi feierte mit seinen Brüdern bereits 1223 Weihnachten im Wald von Greccio, mit Krippe, Esel und Ochsen. In der Klosterkirche von Banz sind jedes Jahr zwischen Weihnachten und Epiphanie viele Jesuskinder ausgestellt. Deren Blicke ziehen an, als wüssten sie von Dingen, die sich weit vor unserer Zeit ereignen, die tief in uns verborgen sind, so tief, dass wir selbst um sie kaum wissen. Sie blicken so sanft und liebevoll, als sehnten sie sich danach, dass wir sie umarmen und streicheln, gleichzeitig aber auch so ernst und würdevoll, als seien sie älter, als die Welt besteht. 

Jesuskind im Binsenkörbchen
Gut, älter als die Besucher in der Kirche sind die Figuren allemal. Manche sind Nachbildungen anderer berühmter Jesuskindfiguren, manche stehen nackt, andere haben kostbare Kleidung an. Manche liegen nackt in der Krippe und manche sind "gefatscht", so wurde damals dieses feste Wickeln des Säuglings genannt. Die Tradition ist alt, denn bereits Bernhard von Clairvaux, der vor fast 1000 Jahren lebte, berichtet bereits vom Kind, das ihm "schöner in Gestalt als alle Menschenkinder" schien. Sie wurden als liegendes Kind in der Krippe oder als Standfigur verehrt, schmückten den Altar und sind niedlich dargestellte Kinder, die noch nicht ganz zwei Jahre alt sind. 

Mit der rechten Hand segnen sie ihre Betrachter, manche halten in der linken noch eine Weintraube, eine Weltkugel oder einen Reichsapfel: Zeichen der Passion und der Herrschaft. Das Prager Jesulein ist eines der berühmten Bilder, oft kopiert und viel verehrt. Herrscher schenkten diesem Kind reiche Roben, manche sogar selbst genäht. Die ganzen Figuren der Ausstellung in der Banzer Kirche wurden vom Pfarrer Hans-Werner Alt gesammelt, der zur Primiz das erste historische Jesukind geschenkt bekam, wie es auf einem Blatt zu lesen ist. 

In den Klöstern bestand einst der Brauch, dass die Novizinnen ein kleines Jesukind bekamen, "Bräutigam" oder "Trösterlein" genannt. Am Gardasee gibt es ein Museum, ganz allein für diese Jesuskinder. Aber auch die Sammlung des Pfarrers in Banz ist beeindruckend. Dafür muss man allerdings zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, dem 6. Januar, sich auf den Weg machen, ganz wie die drei heiligen Könige, und das Kind in der Krippe oder auf dem Altar besuchen. 


Freitag, 3. Januar 2014

Webmaster-Friday--- Geschenke, die man nicht braucht.

Sehr schöne Idee. Wenn ich bedenke, wie viel Ressourcen diese unerwünschten Geschenke verschlingen, dann ist es doch besser, nichts zu schenken. Oder? Wer hat eigentlich mehr vom Geschenk? Der Schenkende oder der Beschenkte?

Im Gegensatz zum Papst ist das Christkind, respektive der Weihnachtsmann nicht unfehlbar. Leider. Und so landen immer mal wieder Geschenke bei mir, bei denen mir das Bedanken schwer fällt. In diesem Jahr war vereinbart, dass nichts geschenkt wird, weil ich im Kloster bin - und so war es dann auch. Glücklicherweise. Aber es gab in meinem Leben bereits einiges an unerwünschten Geschenken:

Ein Telefon in Monsterform: Der Schenkende fand es wahrscheinlich cool und witzig, ich dagegen nur nervig und geschmacklos. 

Eine grüne Kaffeemaschine: War überhaupt nicht meine Farbe und damals hatte ich bereits eine Kaffeemaschine. Also blieb das Geschenk einfach eingepackt und jemand anders hat sich dann sehr darüber gefreut. 

Frauen-Romane: Ja, ich bin eine Frau. Aber deswegen mag ich solche Bücher nicht lesen, auch dann nicht, wenn ich ansonsten viel und gerne lese. Ich liege nicht ständig mit 40 Grad Fieber und knapp vor dem Hirntod auf dem Sofa. 

In den meisten Fällen bedanke ich mich einfach, und packe den Kram in eine Kiste. Ich sage es nur den Menschen, denen ich wirklich nahe stehe, wenn mir ihr Geschenk nicht gefällt und ich es wie einen Wanderpokal weiter reichen werde. Denn mit diesen Menschen kann ich (meistens) reden. Außerdem lande ich ausgesprochen gerne in bereitwillig dafür aufgestellten Fettnäpfen. Und andere Menschen freuen sich oft genau über diese Dinge, die ich nicht mag, schließlich hat ja nicht jeder den gleichen Geschmack, wie ich. 

Eine Tauschbörse habe ich dagegen noch nie gebraucht.