Donnerstag, 3. Oktober 2013

Regensburger Stadtrundgang, zweiter Teil

Relikte aus der Römerzeit,
fast zweitausend Jahre alt, sind noch in Regensburg zu sehen: Die Reste des Nordtores zum Militärlager bilden heute einen schwarzen Kontrast zum weiß gekalkten Bischofshof. Damals lagerte die Legion 3 italica mit 6000 Soldaten am nördlichsten Punkt der Donau und bewachte die Grenze des römischen Reiches, damit weder die Germanen noch andere barbarische Völker die Römer ärgern konnten. 




Die letzten zwei Römer aus Castra Regina
Zwei übrig gebliebene Römer erzählten davon, wie sie mit ihrer Ausrüstung, die zwischen 35 und 40 Kilogramm wog, gut 30 Kilometer pro Tag marschieren mussten. So dauerte der 500 Kilometer lange Marsch von Camuntum (einst ein römischer Hauptstützpunkt an der Donaugrenze, östlich von Wien gelegen) bis nach Regensburg vier Wochen lang. Mit diesem Marsch testeten die Archäologen die Qualität der Ausrüstung, welche sie sich nach den historischen Überlieferungen hergestellt haben. Das ganze nennt sich experimentelle Archäologie. Die Schuhe haben Ledersohlen, die genagelt sind - so laufen sich die Sohlen nicht so schnell durch. Dafür lässt sich hinterher hervorragend berechnen, wie viele Nägel für Schuhe eine römische Legion während eines 500 Kilometer langen Marsches verbrauchte. 

Der Eselsturm am Regensburger Dom
Die Treppe hinter den beiden Römern führt zum Sitz des Bischofs mit Blick auf den Regensburger Dom. Ein alter Turm, Eselsturm genannt, klebt noch an der gotischen Basilika. Asinus heißt aber nicht nur Esel oder Dummkopf, sondern war einst auch die Bezeichnung für einen Lastenaufzug. Vielleicht zogen ja Esel erst die Steine, später dann die Glocken für die neuen Türme nach oben. Weil Regensburg nach dem Bau des Doms nicht mehr so viel Geld hatte, blieb der alte Turm stehen und vor allen Dingen blieb er unverkleidet: Manchmal ist ja Armut der bessere Denkmalpfleger. 

Ja, der Kaiser fuhr einfach vorbei
Im barocken Rathaustrakt zeterte ein
Rathausbediensteter, dass die Kaiserin Maria Theresia mit ihrem Mann eigentlich auf ihrem Heimweg in Regensburg übernachten wollten. Doch weil die Dunkelheit schneller war, als das kaiserliche Schiff, übernachteten sie auf demselben. Alles war umsonst: Der Schmuck, die Illumination, das Spalier, die Musikanten...die Regensburger waren enttäuscht. Niemand kam, den sie gebührend empfangen konnten. 

Weil das Handelsbuch der Familie
Margarethe Runtinger lauscht dem Reisebericht
Runtinger im Stadtarchiv erhalten blieb, mit seinen Aufzeichnungen über die gehandelten Waren, Preisaufschlägen und Handelswegen. Deswegen ist über diese Patrizierfamilie, die um 1400 lebte, vieles bekannt. Nicht nur der Handelsherr Matthias, auch seine Frau Margarethe führte das Buch. Als Matthias Runtinger starb, übernahm seine Frau die Geschäfte. Zwar begleitete sie nicht die Reisen, wie einst ihr Mann, doch ihr wurde ausführlich berichtet. Das Haus Runtinger war in Regensburg das erste Haus, welches die neuartigen Butzenscheiben aus Glas in den Fenstern eingebaut hatte: Mehr Luxus ging damals nicht. Die Karawanen waren Monate, manchmal sogar Jahre unterwegs. Kamen sie zurück, konnten die Reisenden von wunderlichen Tieren mit langen Nasen und märchenhaften Orten berichten.

Das Portal der Schottenkirche
Auch von Regensburg ließe sich
noch viel berichten, von der Schottenkirche mit ihrem reich geschmückten Portal, von mancherlei Durchgängen und von einer glücklichen Liebesgeschichte:








Don Juan d'Austria 
Als der Kaiser Karl V. bereits Witwer war, verliebte er sich in die bürgerliche Gürtlerstochter Barbara Blomberg. (Ob sie ihm einen neuen Gürtel bringen musste, da der alte zu eng geworden? Man weiß es nicht. Man kann nur munkeln.) Jedenfalls bekam Barbara einen Sohn vom Kaiser, den dieser standesgemäß am spanischen Hof erzog, ohne dass er von seiner Herkunft wusste. Er sollte zwar in den kirchlichen Dienst, doch er wollte lieber zur Armee. Als

Befehlshaber der spanischen Mittelmeerflotte machte er sich einen Namen und schlug 1571 die Osmanen in der Seeschlacht von Lepanto.

Aber am Besten ist es: Hinfahren und selber gucken.