Montag, 23. September 2013

Das Poetenfest in Erlangen 2013 - ein Nachklapp

Mit geschlossenen Augen lauschte ein Herr der Lesung, die Brille hoch auf den Kopf geschoben, in deren
Gläsern sich die Blumenrabatten sammeln, als seien sie die Bilder, die vor den Augen die raue Wirklichkeit verbergen. Vier Frauen tischten zwischen den Programmen auf, pickten und nickten zu den Worten, bogen die Mundwinkel nach unten. Die Sonne ließ die Gesichter verkniffen erscheinen, sie blendete alle, die eine freie Sicht auf die Bühne wollten: Wohl dem, der an Mütze mit Schirm gedacht. 


Es branden immer neue Wellen an Besuchern, ziehen vorbei, werden aufgesogen von der Menge, die bereits an den Tischen sitzt. Manche schauen und suchen: Sieht auch wirklich jemand, dass ich hier bin? Der Autor liest mikroverstärkt, die Zuschauerinnen nicken. Sie wissen mehr über den Schreiber, als dieser durch seinen Text über sich verrät. 

Als ein Lyriker auf der Bühne ohne Betonung leiert und sich an der Szene mit der Dichterlesung aus Loriots Pappa ante Portas orientiert, fliehen die Menschen. Irgendwo auf dieser Wiese im Erlanger Schlosspark ist schließlich noch mehr los. Eine Frau auf dem Campingstuhl feilt sich am Rand der Veranstaltung die Fußnägel und der Brustkorb des daneben angeleinten Windhundes vibriert im Takt seiner Herzschläge.


Die Bedienungen im Cafe kämpfen sich durch die Menge, welche gerne Kaffee und Kuchen hätte, doch dafür neben Geld auch Zeit mitbringen musste. Draußen gab es sogar Tassen, nicht nur Kännchen. Poetenfest in Erlangen: Die meisten Poeten waren mir unbekannt. Autoren darunter trugen ihre aneinander gereihten Banalitäten vor, dort herrschte grassierende Adjektivitis und nichtssagende Satzschlangen. Wurden diese dazu monoton vorgetragen, ließ es sich gut nebenher stricken und eigenen Gedanken nachhängen. 

Aber es ging auch anders, richtig gut: Monika Maron und Rafik Schami waren auch in Erlangen und lasen. Von Rafik Schami muss ich noch erzählen. Später.