Samstag, 1. Juni 2013

Nürnberg - die OBCZ und das Blaue Haus

Als künftige Fränkin erkunde ich seit einer Weile das Land, wenn ich hier weile und Zeit habe. Das ist schön. Aber um heimisch zu werden, brauche ich mehr. Da möchte ich Menschen kennen lernen: Nur so wird aus einem neuen Heim, einer neuen Wohnung in einer unbekannten Gegend irgendwann auch eine Heimat. 
Meine Entdeckungen in Franken haben Menschen hierher gelockt, diese zeigten den Link weiter: Guck mal da! So fand ich das Forum von Bookcrossing. Dort suchten Menschen eine Kiste mit Büchern über Franken zusammen und wollen diese herumreisen lassen. Das interessierte mich, und so meldete ich mich an. Ich traf dort auf Menschen, die eine gemeinsame Leidenschaft teilen: Sie lesen gerne und meistens viel, sie lieben Bücher, aber sie wollen diese nicht nur in ihrem Regal stehen lassen, sondern stellen quasi ihre Bibliothek auch anderen zur Verfügung. Dies nicht genug, lassen sie sogar Bücher in der Wildnis frei... In Nürnberg fand ein Treffen dieser lesebegeisterten Menschen statt und ich fuhr hin. Ich kannte mich nicht aus, wusste nicht, wo Bierfest war und nichts vom Blauen Haus. Mit dem Zug fuhr ich von Forchheim aus durch fränkische Landschaft, mit Kuckuckslichtnelken im Gras. Hier ist Land kostbar: Kein Quadratmeter zu sehen, der nicht ordentlich und aufgeräumt aussieht. Junge Menschen unterhielten sich im Zug über billiges Essen, weil man ja sonst das Geld zum Fenster hinauswerfen würde.

B. erwartete mich in Fürth, wir fuhren weiter nach Nürnberg und gingen zum Bierfest, welches im Burggraben stattfand. Dort lernte ich einige Bookcrosser kennen. So ein bisschen wenigstens. Unter den grünen Schirmen der Brauereien sahen alle Gesichter ein wenig grünlich aus, aber das Bier war gut und die holländischen Pommes auch.


Als es zu regnen begann, fuhren wir vom Bierfest ins Blaue Haus. Es ging mit Straßenbahn und einer U-Bahn ohne Fahrer und mit Bus weiter, aber ich hatte den Eindruck, wir fahren im Kreis: Jedes Mal, beim Wechsel von einem Verkehrsmittel zum nächsten, stand der gleiche Turm da. Seltsam. Unterwegs bekam ich den ersten Unterricht in Fränkisch: Gschmarri ist so ein Wort, welches vor allem ein Begriff für alle Arten von Unsinn ist. Meine ersten Sprechversuche stellten die richtigen Fränkinnen noch nicht zufrieden: Zwischen G und schmarri gehöre kein "e". Nun gut. Ich hab ja noch Gelegenheit, das richtig zu lernen. 
Das Blaue Haus ist ein blaues Haus, eine Kneipe. In dieser gibt es ein öffentliches Bücherregal, eine OBCZ, aus dem sich jeder registrierte Bücher nehmen darf und auch welche hineinstellen kann. Die Regeln dazu stehen hier: Bookcrossing
Weil die OBCZ Geburtstag feierte, gab es jede Menge Besucher, jede Menge Bücherstapel auf den Tischen, Kuchen mit Kerzen drauf und eine Kiste mit Losen. Auf meinem stand: "Gewonnen". Zum Glück gab es nur ein Buch: "Sämtliche unfrisierten Gedanken" von Stanislaw Jerzy Lee.