Liebesgedichte, Liebeserklärungen:
Das ist wie die Beatmung eines
Notfalls. Wenn es nötig ist, Liebeserklärungen zu verfassen und Liebesgedichte
zu deklamieren, dann ist bereits das Letzte eingetreten, die Agonie. Doch wer
lebt schon gerne mit Leichen, lässt Tote weiter atmen, an Maschinen
angeschlossen, der Brustkorb hebt und senkt sich im Rhythmus, den das
Beatmungsgerät vorgibt.
Dann doch lieber abschalten, kurz
und schmerzlos. Denn der Schmerz, der war vorher da, ist längst rausgebrüllt
und hat Tassen an die Wand geworfen, in der Hoffnung, etwas zu erreichen,
jemanden zu erreichen, ein Gegenüber. Aber da war nur die Wand, an der die
Tasse zerschellte und die eigene Verletztheit.
Liebesgedichte, Liebeserklärungen:
Das ist wie eine Umarmung aus
weichem Katzenfell. Die Kater stellen keine unerfüllbaren Forderungen, haben
keine Sehnsucht, die sich nicht stillen ließe, sie wollen einfach nur ihre
Dosen geöffnet und einen Rücken oder einen Schoß zum Kuscheln. Ganz ohne
Hintergedanken und heimliche Wünsche, nicht so: mutterhaft Liebe verpflichtend,
weil ich für dich sorgte, weil ich deine Wäsche wusch, deinen Dreck wegräumte,
weil ich dich ertrug, trotz deiner Launen, des Gezänks und Gejammers. Ich habe
mir deine Kindesliebe erkauft, du musst mir danken, schuldest mir Vieles, denn
ich habe investiert und erwarte Rückzahlung mit Zinsen an Liebe.
Liebesgedichte, Liebeserklärungen:
Verträge, unausgesprochen. Sie
versprechen mehr, als sie je halten können, denn die Begrenzung liegt im
Unvermögen, mich selbst so zu geben, bis nichts mehr übrig ist.