Samstag, 7. Juli 2012

Ab ins Paradies

Kann man den Himmel auf Erden einfach mit einem Flieger erreichen? Man kommt zwar schon ganz schön hoch und über den Wolken scheint die Freiheit so grenzenlos, wie Reinhard Mey singt. Wer nach dem Paradies im Internet sucht, bekommt verheißungsvolle Urlaubsziele als Treffer. Die Sehnsucht zieht die Menschen in die Ferne - je weiter weg, je exotischer, desto mehr Paradies? Viele sehnen sich danach, wollen eine Pause im Alltag, eine Auszeit. 


Aber vielleicht ist das wirkliche Paradies gar nicht so weit weg, wie wir meinen - und nur weil eine Spinne ihr Netz vor den Eingang gewebt hat, sehen wir das Türchen nicht. 

Wir sehnen uns nach dem Paradies, möchten es am liebsten gleich und sofort und ohne große Mühe, wie mit einem Flieger erreichen, geführt von Pilot und Kopilot, umsorgt von Stewardessen. Wir suchen dort Wohlbefinden und Lebensglück, Begegnungen mit anderen Menschen, also eigentlich Dinge, die man auch Hier und Jetzt und Daheim haben könnte. 


Vielleicht ist es mit dem Paradies ein bisschen wie beim Fernsehen, welches jeden Tag läuft: Man kann lustige Dinge und nette Romanzen gucken - oder Mord und Totschlag. Man braucht dafür nur mit dem Finger auf der Fernbedienung umzuschalten. Und wir sind selber ein bisschen ähnlich: Je nachdem, auf welchem Kanal wir eingestellt sind, erleben wir die Hölle oder den Himmel auf Erden, sehen das Glas halbvoll und halbleer. Entweder sehen wir in unserem Gegenüber einen wertvollen Menschen oder wir betrachten ihn als nervendes Übel, welches unsere kostbare Zeit stiehlt. 


Nehmen wir doch einfach den Sommer, den Urlaub, die freie Zeit, um jeden Tag etwas Neues zu entdecken, gehen ganz wie ein Kind selbstvergessen durch den Tag. Und auf einmal haben wir das Paradies - ganz dicht bei uns, in uns.