Samstag, 30. Juni 2012

Laberei

Regentropfen rinnen über dunkle Straßen, Gassen eng und zusammengerückt, Höhlenfenster zugenagelt. 
Muffige Menschen, Mundwinkel nach unten gezogen - ab einem gewissen Alter ist jeder für sein Gesicht selbst verantwortlich.
Eine Frau dreht sich um und sieht: nein, dich nicht: Will ich nicht sehen. Dreht sich lieber noch einmal und fliegt hinweg, hebt sich über die engen Gassen mit ihrem Gemurmel in kleine Löcher rollen bunte Kugeln, stoßen sich klipperdiklapper gegenseitig an, klackern, tackern laut, aber sie halten nicht an, berühren sich nur an einem Punkt, minimalisierter Kontakt, punktgenau. Panzer mit minimaler Angriffsfläche, zielgenau, unendliche Laberei, immer ein Wort nach dem anderen, endlich ein offenes Ohr, höre ich denn, was der andere sagt - oder will ich ihn nur endlich loswerden, was mich bewegt, doch das will keiner wissen, will keiner hören, jeder wartet nur auf die nächste Gelegenheit, bis durch ein Atemholen ein Luftloch entsteht, in das jeder seinen eigenen Kram einflechten kann, ein Gewebe aus Worten.