Mittwoch, 23. Mai 2012

Man sollte oder lieber nicht

Man sollte nichts wollen sollen,
sondern: selber denken, selber spüren, selber fühlen.

Man sollte nichts aus Konventionen, weils schon immer so gewesen - 
und die Leichen in den Gräbern nicken. Wie der Wackeldackel.

Man sollte man sollte verbannen,
in Ketten legen,
in das unterste Verlies und dort vergessen.

Nur noch:
Du darfst, wenn du willst,
wenn du möchtest,
es dir gefällt und zusagt,
sich gut anfühlt,
wie ein flauschiger Ball im Bauch.

Nur noch:
Du willst, weil du willst,
weil es deins ist.

Montag, 21. Mai 2012

ein letztes Ma(h)l oder: Wehe, du kleckerst...

Immer essen, essen, essen, oben rein, unten raus. Wenn er dabei wenigstens nicht so schmatzen würde. Jedes Mal, aber auch bei wirklich jedem Bissen, fiel irgend etwas nach unten, kleckerte auf das Tischtuch, blieb im Bart hängen.
Mir reichts, dachte Janna. Seit Tagen aß sie nichts mehr, trank nur Wasser und Tee, fasten eben. So kann man die Lust am Essen verlieren. Sollte sie etwa nächstens mit Ohropax essen, nur um das Mahlen seiner Zähne und das Schmatzen - warum eigentlich kann der Kerl den Mund beim Essen nicht zumachen, kaut wie eine Kuh, schiebt den Unterkiefer von rechts nach links, Janna schloss die Augen. 
Sie sah vor sich, wie eine schleimige Schnecke mit ihrer Raspelzunge die Blattränder des Salates in winzigkleine Partikel schabte. 
Janna wünschte sich weit weg. Konnte das Schmatzen nicht das leise Schlagen der Wellen sein, die leise glucksend über die Strandsteine hüpften?
Jetzt tropfte Salatsoße. Dabei hatte Janna extra Mayonnaise untergerührt, in der Hoffnung, die Konsistenz sei dann so klebrig wie steifgeschlagenes Eiweiß, welches nur Spitzen zieht, aber nicht mehr tropft. Musste sie die Tischdecke auch noch waschen.
Morgen abend würde Janna einen Apfel essen, sie hatte ihn bereits gekauft, lange ausgewählt, sie würde ihn vier - nein, achteln und dann ganz langsam Mundvoll für Mundvoll ablutschen, die Stücken so lange im Mund behalten und wälzen, bis er von alleine zerfiel. 
Neben Janna rülpste es. War er endlich fertig? Konnte sie jetzt den Teller in die Spülmaschine räumen, genau wie das Besteck und diese gleich einschalten? Sie hatte schon alles vorbereitet, vorsichtshalber die doppelte Menge Spülmittel eingefüllt und das ganz heiße Programm vorgewählt. So blieben ganz sicher keine Reste am Teller kleben.
"Ich geh dann mal in die Werkstatt", ächzend schob er sich nach oben, sah Janna an, als wollte er noch etwas sagen, drehte sich aber nur um und ging mit schweren Schritten zur Treppe. 
Die erste Treppenstufe traf er noch, glitt mit der Ferse über die Kante der nächsten, verlor den Halt, ruderte mit den Armen, riss aber nur die Pinnwand mit sich, polterte kopfüber weiter, bis er unten auf dem Steinboden des Flures ankam. 
Seine Beine rutschten noch an der Wand nach unten, wie kraftlos gewordene Tentakel. Janna lehnte oben immer noch über dem Geländer, wie eine Stoffpuppe, die man in der Taille abgeknickt und dort liegen gelassen hatte. 
Während sie noch überlegte, was sie jetzt machen sollte, platschte seine Hand neben den Kopf auf dem Boden und blieb reglos liegen. Musste sie jetzt erst selbst nach unten gehen und nachsehen, ob alles in Ordnung ist, oder wäre es besser, gleich den Rettungsdienst zu rufen: 112, 112, 112 murmelte Janna wie ein beschwörendes Mantra vor sich hin und ging auf Zehenspitzen hinunter, ließ die knarrende Stufe aus - vielleicht hörte er ja doch noch etwas und war sich, als sie unten war, sicher, dass sie heute das letzte Mal die Tischdecke nach dem Essen wechseln und waschen würde.

Mittwoch, 9. Mai 2012

Bärlauchfang

Wenn man Bärlauch fangen will, muss man sich leise anschleichen. Sonst erschreckt sich der sonst so scheue Bärlauch, dreht sich einfach um und knurrt. Und wer den Bärlauch finden will, der muss erst die vielen kleinen Bärlauchwegweiser finden, wie zum Beispiel eine kleine Pilzrose:

Denn ab hier führt der Weg nach links in den Wald. Und wenn bis dahin der Weg noch wie eine Waldautobahn war, autobreit und bequem, haben sich ab hier Wurzeln quer über den Hangweg gelegt. 


Ein Stückchen weiter kommt eine Kehre und dann geht es steil nach oben, schließlich soll keiner behaupten können, Bärlauch zu fangen sei wie ein Parkspaziergang.


Oben angekommen, flaniert man unter lichten Buchenkronen wie unter einem hellgrünen Baldachin, bis nach dem gefallenen topografischen Punkt das Bärlauchparadies beginnt. 


Weil es den kleinen Bärlauchs so gut geht, spitzen schon die ersten Blüten aus dem Grün. Und weil sie ihre Blätter ganz freiwillig hergeben, wenn man sie ein bisschen kitzelt und an ihnen zieht, gab es genügend davon. 


 Später wurde den Bärlauchblättern ganz schwindelig und senfig...
 Der Senf wundert sich über seine grüne Farbe...

...und wird in Gläsern eingesperrt.






 
Wie das bei echten Dingen aus dem Wald schon mal passiert - da kam ein blinder Passagier ins Haus und hat sich aus dem Bärlauchwaschwasser auf den Wasserhahn gerettet. 





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Donnerstag, 3. Mai 2012

Auf dem Weg zur Tannenburg

 Der Weg zur Tannenburg führt durch den Hersfelder Grund. Und wenn man ihn im Frühling wandert, bekommt man in den Löwenzahnwiesen gelbe Hosenbeine. Auf der Burg wurde die neue Terrasse eingeweiht, es gab Musik und was zu trinken.

Das ist nicht die neue Terrasse, das ist einfach ein romantischer Blick nach unten, am Ende des Kräutergartens, in dem schon wieder allerlei Grün aus dem Boden spitzt.