Donnerstag, 26. April 2012

Der Lastesel

Einer trage des anderen Last, heißt es. Und einen gibt es, der trägt alle Lasten, nimmt sie den beladenen Menschen ab: der Frau am Jakobsweg, den Zöllnern,kurz und gut: den Sündern.
Und was machen wir?
Wenn es gut geht, dann laden wir den anderen wenigstens nicht noch mehr Lasten auf, als diese ohnehin zu tragen haben. Wenn es gut geht, dann tragen wir unsere eigenen Lasten, ohne darüber zu murren und zu klagen.
Nur: Leider geht es oft nicht gut. Wir versuchen, unsere Last loszuwerden, doch nicht bei dem, der dafür zuständig wäre, sondern bei unseren Mitmenschen, die ebenfalls ihr Kreuz zu tragen haben. Wir sehen nicht, dass jemand fast zusammenbricht, aber halten es für selbstverständlich, dass derjenige auch noch für uns sorgt, sich um uns kümmert und für uns ein offenes Ohr hat.
Wir machen Dinge für andere nicht deswegen, weil wir den anderen eine Freude machen wollen und uns diese leise Freude Grund genug ist, im Verborgenen zu wirken, sondern wir machen Dinge für andere, damit sie uns dankbar sein müssen. Und wehe, sie vergessen es, dass sie uns ewig dankbar zu sein haben. Dann entziehen wir ihnen unsere Gunst, lassen alles fallen und liegen, - uns dankt ja keiner dafür – und sollen doch die anderen sehen, wo sie ohne uns bleiben.
Das hat Jesus nicht gemeint, als er sagte: Einer trage des anderen Last.