Mittwoch, 1. Juni 2011

Sie haben Post

Pling. „Sie haben Post“: Zum bevorstehenden Tag Christi Himmelfahrt wird mir per E-Mail eine Megachance eröffnet. So steht es in der Betreff-Zeile. Als ich die Mail öffne, grinst mich ein kleines Teufelchen an und will mir einen höllisch heißen Aktientipp verraten.

Aha. Kaum ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch: Ich soll an Christi Himmelfahrt einen Pakt mit dem Aktienteufel schließen. Das könnte euch so passen, mein schönes Geld lasse ich nicht in der Hölle verbrennen. Ob sich die Marketingabteilung jenes Anbieters dessen bewusst ist, wie heiß es in der Hölle sein kann? Da brennt nicht nur das Geld, da schmilzt der Verstand, vor lauter Gier. Nun, wenn der Geiz siegt und die Dollarzeichen in den Augen tanzen, ist das Denken nur noch eingeschränkt möglich.

Dabei müsste einem doch der gesunde Menschenverstand sagen, dass niemand etwas zu verschenken hat, schon gar nicht Geld und dass es Angebote gibt, die nur den Profit des Anbieters im Kopf haben. Genau wie bei vielen neuen elektronischen Geräten: Hier bauen die Hersteller Produkte extra mit Fehlern, damit wir dann teure Abhilfen kaufen. Hersteller von Druckertinte sind dabei besonders talentiert: Setzt man eine andere Tintenpatrone als das Original ein, halbiert der Drucker einfach die Auflösung.

Vor rund zweitausend Jahren hatte Jesus etwas zu verschenken. Und wer wollte es haben?

Genau. Statt zufrieden zu sein, jagen wir ständig nach neuen Dingen und ärgern uns, wenn es den anderen scheinbar besser geht. Der Nachbar hat sich ein neues Auto gekauft? Wo nimmt der bloß immer das Geld dafür her?

Und die Nachbarin hat schon wieder eine neue Frisur und kommt mit vollen Taschen vom Einkaufen – stattdessen sollte sie lieber ihre Fenster putzen.