Erst war da was, dann war da nix. Alles weg.
Vier einsame Schnüre hielten noch die Enden der Straße zusammen. Jetzt lässt sich der Stuttgarter Bahnhof nach Schmalkalden verlegen. Ist ja schon Platz für da und man spart dort den Kies. Fürs Auffüllen und Zuschütten.
Wie bei einem Schokokuss: Unter dem Schokoladenlack versinkt die Zunge in federweichem Schaum.
Nur dass hier, unter der Straße, dem Bitumenlack, kein Watteschaum war, sondern einfach nichts.
Nichts lässt sich nicht vermessen oder orten.
Und wenn die Satelliten alle Autos erfasst haben, werden sie automatisch gesteuert. Dann gibt es kein Abweichen mehr, keine Umwege, keine unzulässigen Abkürzungen.
Keine Anarchie mehr, nur noch geordnetes und reguliertes Spießertum, unter dem Vorwand von Ordnung und Sicherheit.
Wird der Blinker vor dem Abbiegen nicht gesetzt, bellt die persönliche Assistentin aus dem Autolautsprecher. Überall sind Fahrbahnbegrenzungen, damit niemand aufs Feld fahren kann, querfeldein, auf nicht vorgebahnten Wegen. Verordnete Sicherheit macht leichtsinnig, verführt zu Grenzbegehungen, zum Balancieren auf dem Grat des Gerade-noch-erlaubten und dem Schon-Verboten.
Hat's jemand gesehen? Hat mich jemand gesehen? Kriegt hier überhaupt noch jemand irgendetwas mit?
Von wegen, wir würden von einer fremden Macht einfach eingelullt... Konstantin hat nur vergessen, den Wecker zu stellen. Und so schlummern wir alle, dämmern, träumen, nicken und verirren uns im Alltäglichen und Banalen, damit alle, die es besser wissen wollen, die Übersicht behalten können. Via Street-View und mit als Taschentelefonen und Navigationsgeräten getarnten Mini-Überwacherleins.
Wir kaufen sie auch selber, uns muss keiner extra zwingen, die Peilsender mitzuführen.
Ständige Überwachung, als Strafe. Wofür?
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